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Berichte der ASANA-Crew aus der Campania (Region Neapel)

Fr 25.05.2012: Überfahrt von Nettuno nach der Insel Ponza mit Umweg

 

21. Fahrttag (43.4 sm): Bei absoluter Windstille laufen wir bereits um 08.55 Uhr aus. Kurz nachher hält uns ein Marineboot auf und weist uns an, wegen scharfer Schiessübungen über eine Länge von sechs Seemeilen unseren Kurs von 145 auf 200o zu ändern. Ein anderes Schnellboot der Marine rast gleichzeitig hinter unserem Heck durch und beschert ASANA und Toni eine unerwünschte Salzwasserdusche! “Bubeli spielä, Bubeli gsund!“ Rund eine Stunde dauert der Umweg, und zurück auf unserem direkten Kurs pendelt sich der Wind langsam ein auf SSE, also praktisch auf die Nase! An Segeln ist nicht zu denken! Trotzdem verschwindet hinter uns langsam die Landschaft. Um 11.00 Uhr sichten wir den Mte. Circeo und den Mte. Circello. Um halb eins lassen sich durch den feinen Dunst die Inseln Palmarola, Zannone und unser Ziel, die Insel Ponza, erahnen.

 

Die Fahrt entlang der bizarren Fels- und Höhlenformationen im Licht des späten Nachmittags verläuft spannend und lässt uns staunen über den Reichtum und die Launen der Natur! Wiederum legen wir längs an; der Ormeggiatore der kleinen Marina Cennarino hilft uns und freut sich über unsere Ankunft: zusammen mit einem Segelschiff aus Bologna sind wir in dieser Saison seine ersten Gäste! (Lina)

 

Meine erste Frage an den Ormeggiatore lautet nach der Hafengebühr. Es sagt: „40 Euro im Tag“. Ich entgegne „Nicht gerade günstig“! Er erwidert darauf: „Im Juli kostet es 10 Euro pro Meter Schiff und im August 15 Euro“! Die wären für ASANA mehr als 150 Euro für einen Tag!!! (Toni)

 

 

Sa 26.05.2012: Insel Ponza, Hafentag

 

Die meisten Häuser sind in bunten Pastell-Farben, manchmal weiss umrandet, gestrichen und wirken neben den in früheren Jahren geschaffenen und heute grün bewachsenen Terrassenhängen wie auf- und nebeneinander gestellte Würfel! Zusammen mit den vielen Fischerbooten ergibt dies ein umwerfend pittoreskes Bild! Beim Spaziergang Richtung Leuchtturm stossen wir auf den Friedhof von Ponza: fast wie in einer kleinen Stadt reiht sich hier oben in der Höhe, an einem der schönsten Aussichtspunkte, Mausoleum an Mausoleum, Grabstätte an Grabstätte. Generationen von Familien sind hier „verewigt“, alle Gräber reich geschmückt mit vielfarbigen künstlichen Blüten! – Der auffrischende Wind bringt abends starken Schwell in den Hafen, und Toni bringt deshalb zusätzliche Fender aus. (Lina)

 

 

So 27.05.2012: Pfingstsonntag, Insel Ponza, Hafentag

 

Vom Glockenturm der Kirche S. Trinità, welche dem hl. Silverio, dem Patron von Ponza, geweiht ist, erklingt allabendlich eine Melodie über die kleine Stadt. Während des heutigen Pfingstgottesdienstes wird in der vollbesetzten Kirche ein kleiner, mucksmäuschenstiller Domenico Luis getauft! Nachmittags entführt uns ein uralter, kleiner Ortsbus über die einzige, kurvenreiche und schmale Strasse der Insel. Überraschende Ausblicke bieten sich uns: tiefblaue Buchten, kleine, farbige Dörfer, üppig bewachsene terrassierte Hänge mit blühendem und weithin duftendem Ginster und immer wieder die Weite des Meeres. (Lina)

 

 

Mo 28.05.2012: Gemütlicher Pfingstmontag als Regentag auf Ponza

 

Regentropfen, die an unser Luk klopfen, wecken uns. Also umdrehen und tüchtig ausschlafen! Danach Einkaufbummel, Nachmittagsschläfchen, Lesen, Berichte schreiben und künftige Navigation vorbereiten. Auf der Insel Ponza sind seit gestern alle Handy- und Internetverbindungen zum Festland unterbrochen! Aus diesem Grund kommen die Berichte und Bilder etwas später auf die Homepage. (Toni)

 

 

Di 29.05.2012: Segeln von der Insel Ponza zur Insel Ventotene

 

ASANA schafft die 1000. Seemeile auf dem Meer (seit April 2011)!

 

22. Fahrttag (24.1 sm): Auszug aus dem Logbuch:

08:00 Uhr:  NAVTEX und Wetterwelt-SMS sagen für das nördliche Tyrrhenisches Meer für heute sonniges bis leicht bewölktes Wetter mit Wind zuerst SE 1 -2, dann SW 1 – 3, westwärts drehend und leicht bewegte See mit 0.5 m Wellen voraus. Also gute Verhältnisse für das vorgesehene Inselhüpfen. N.B: der italienische NAVTEX-Sender bringt zuverlässig mindestens zwei Mal täglich Schifffahrts- und Wettermeldungen sowie Wetterwarnungen in italienischer und englischer Sprache. Diese kann ich dank dem kleinen mitgeführten Empfänger über den PC lesen. Die Wetter-SMS in deutscher Sprache, welche ich bei Wetterwelt und bei Windfinder abonniert habe, kann ich mit dem Handy nach Bedarf abrufen.

09:45 Uhr:  Alle Checks sind erfolgt. Wir laufen aus dem bezaubernden Ponza aus.

10:05 Uhr:  NW-Wind 1 -2. Der Kurs von 104 Grad Richtung Ventotene liegt an.

12:00 Uhr:  Position 40o 51.7’N 13o 10.8’E, SSW-Wind 1, Seegang 1. Die Umrisse von Ventotene werden im Dunst sichtbar. Mittagessen.

13:00 Uhr:  Position 40o 50.5’N 13o 16.6’E, W-Wind 2, Seegang 1. Weil wir den Wind ziemlich genau von achtern haben, setzen wir, entgegen meinen bisherigen Grundsätzen, den Gennaker allein (ohne Grossegel). Dies zeigt sich als sehr wirkungsvoll, weil wir dadurch nicht vor dem Wind kreuzen müssen! Der Gennaker steht dank Barberholer ruhig und wird nicht durch das Grossegel abgedeckt.

14:00 Uhr:  Position 40o 49.5’N 13o 21.7’E, W-Wind 2-3, Seegang 1-2. Logstand 1000! D.h. ASANA hat die 1000. Seemeile auf dem Meer zurückgelegt. Sie hat ihre Feuertaufe wirklich sehr gut bestanden! Ponza verschwindet achterlich langsam im Dunst.

15:00 Uhr:  Vor der Hafeneinfahrt von Ventotene. W-Wind 3 – 4. Windstärke 4 ist die maximale Windstärke, um den Gennaker noch problemlos ohne Grossegel bergen zu können! Wir stellen fest, dass die Behörden die Bucht, in welcher wir ankern wollten, für Schiffe gesperrt haben! Also laufen wir in den Porto Vecchio bzw. den Porto Nicola ein. Dies ist neben dem grossen Fährhafen ein kleiner, romantischer Hafen, welcher bereits vor rund 2000 Jahren durch römische Sklaven in den Tuffstein gehauen wurde. Er gilt als einzigartiges Werk des Hafenbaus der Römer.

15:15 Uhr   Der Ormeggiatore Enrico winkt uns mit dem Bug voraus in einen freien Platz an der Hafenmole und reicht uns die Mooringleine (auf Italienisch: Corpo morto!) zum Festmachen von ASANA. Die 1000. Seemeile von ASANA feiern wir noch vor dem Aufräumen im Cockpit mit einem Cüpli!

 

Simone, der Gehilfe von Enrico, erlaubt uns freundlicherweise, seinen WLAN-Anschluss zu benutzen! Wieder einmal staunen wir über die Herzlichkeit, mit welcher wir in den italienischen Häfen begrüsst werden. Ein kleiner Spaziergang durch das hübsche Inselstädtchen mit seinen bunt gestrichenen Häusern rundet den schönen Tag ab. (Toni)

 

 

Mi 30.05. – So 03.06.2012: Inselleben auf Ventotene

 

Zum ersten Mal in dieser Saison raffen wir uns zum Schwimmen auf! Der kleine Sandstrand, zu Fuss erreichbar in etwa 3 Minuten durch einen ca. 50 m langen, in den Tuffstein gehauenen Tunnel, gefällt uns mit seiner herrlichen Sicht auf steinerne Ungeheuer und Blick aufs weite Meer. Jeden Tag wird das Wasser wärmer, und wir verbringen hier ein paar Stunden, manchmal lesen wir sogar ein paar Zeilen, meistens aber geniessen wir das Schwimmen im Meer, das Schauen und das Sein!

 

Ventotene, wieder eine Insel ohne eigenes Trinkwasser! So alle zwei Tage legt ein „Wasserschiff“ vom Festland an und pumpt während rund acht Stunden seinen Inhalt in die Reservoirs! Nur Tau, kein eigenes Wasser, folglich sind auch die Toiletten eher rar, und längst nicht jede Kaffeebar oder jedes Ristorante besitzt ein bagno, schon gar nicht der Hafen!

 

Für uns überraschend läuft einiges in diesem kleinen Porto Vecchio! Eine ganze Schulklasse mit 12jährigen Teenies aus Baia, verteilt auf drei Segelyachten, verbringt eine Nacht hier; zwei Mädchen verirren sich bei der Rückkehr vom Städtchen über das lange Einstiegsbrett auf unsere ASANA und machen erschrocken einen Rückzieher! – Ein andermal ist Daniele aus Neapel für zwei Tage unser direkter Nachbar. Als ehemaliger Betreiber einer Yacht-Charterfirma gibt er uns wertvolle Tipps zu unserer Weiterreise. Daniele ist der Meinung, in dieser Gegend unterwegs zu sein und Neapel nicht anzulaufen, wie wir das geplant haben, käme einer seglerischen Todsünde gleich (freie Übersetzung Italienisch-Deutsch nach Lina)! Mal sehen! – Am Samstag feiert ganz Italien die Festa della Repubblica, der Hafen ist am Abend gerammelt voll von Segelyachten. Fast alles Italiener, wie wir es schon in den letzten Tagen erlebt haben!

 

Benito! Kurz vor Mittag setzen wir uns am Hauptplatz zu einem Espresso; nach ein paar Minuten werden wir von einem älteren Herrn angesprochen, ob wir Schweizer seien. Er setzt sich zu uns, stellt sich vor: Benito, 84jährig, 40 Jahre lang in der Schweiz tätig als Geleisearbeiter. Nach seiner Rückkehr eröffnete er auf Ventotene an wunderschöner Lage direkt über dem Meer das Fischrestaurant „Benito“, wo er während der Saison Tag für Tag für die Gäste Fische und Gemüse grilliert. Unzählige Erlebnisse aus seinem damaligen Aufenthalt in der Schweiz sprudeln aus ihm hervor, er raucht Zigarette um Zigarette, und nach einem Cognac verabschiedet er sich mit seinem randvoll gefüllten Einkaufskorb. Er muss zum Grillieren ins „Benito“! Einige Schritte, Benito kehrt zurück und schenkt mir zwei Eier und eine saftige Zwiebel aus seinem Korb! Welch eine Begegnung!

 

Der Koch des Restaurants am Hauptplatz hat ebenfalls sehr schnell bemerkt, dass wir Schweizer sind. Mit seiner Kochmütze spaziert er im halben Städtchen rum und versucht, Gäste aufzutreiben. Er arbeitete einige Jahre als Koch in der Schweiz und kann heute seine Sprachkenntnisse gewinnbringend anwenden!

 

Ein Freund von Benito, er ist mit einer Deutschen verheiratet, lädt uns eines Tages spontan ein, sein schönes, grosses Hotel Lo Smeraldo, auf einer Anhöhe gelegen, mit Sicht auf Städtchen und Meer, zu besichtigen. Er freut sich auf die 100 Hotelgäste, die anderntags mit der Fähre eintreffen.

 

Einige Tage Ende Mai, anfangs Juni: Enrico, der Ormeggiatore, grüsst uns wie alte Freunde, die Insel putzt sich raus, überall werden bunte Fassaden aufgefrischt, Ginster durftet, Mittagsblumen, Oleander und Bougainvillea blühen um die Wette, Möwen betreuen ihren Nachwuchs und bereits auch einige Stechmücken haben wir gespürt!

 

Wenn Wetter und Wind stimmen, segeln wir morgen Montag weiter Richtung Ischia! (Lina)

 

 

Mo 04.06.2012: Hartes Segeln von der Insel Ventotene zur Insel Ischia

 

23. Fahrttag (26 sm): Wir sind uns schon an einiges auf See gewöhnt! Dass diese Überfahrt für uns so hart wird, war nicht voraussehbar!!! Die Wetterprognose sagt zwar nur Wind SE 3, dann SW 3 -4 und schliesslich W 4 – 5, einen Seegang von 0.5 – 1 m, bewölkt und vereinzelt Regen voraus. Normalerweise kein Problem für ASANA und uns. So entschliessen wir uns, die Überfahrt in „Angriff“ zu nehmen. Lieber bei Wind segeln und bei Flaute baden! Die Checks werden doppelt vorsichtig ausgeführt, die Lifebelts liegen bereit und die Sicherheitsgurten sind gespannt. Zur Vorbeugung von Seekrankheit nehmen wir je eine Vitamin C-Tablette ein.

 

Beim Auslaufen aus dem engen Hafen kurz nach 11:00 Uhr verabschieden wir uns vom Ormeggiatore Enrico auf laute, italienische Art! Bereits bei der Cala Nave setzen wir das um zwei Reffs verkleinerte Grossegel und die Fock. Wir segeln knapp an der Sperrzone der Insel San Stefano vorbei und schon bald verschwinden die letzten pontinischen Inseln Ventotene und San Stefano im Dunst, und wir nehmen Kurs auf die neapolitanische Insel Ischia. Der anfänglich starke Wind nimmt etwas ab, die Wellen jedoch zu. Damit ASANA besser durch das aufgewühlte Wasser fährt, nehmen wir ein Reff aus dem Grossegel. Kein Land ist in Sicht. Ein Regenschauer zieht vor uns vorbei und ein Kriegsschiff, begleitet von einem Helikopter, kreuzt unseren Kurs. Plötzlich scheint die Sonne wieder zwischen den schweren Wolken.

 

Wir sagen zu uns, dass es jetzt wirklich an der Zeit wäre, einmal Delphinen zu begegnen. Kaum ausgesprochen erkenne ich nicht weit von uns entfernt die Rückenflosse eines Delphins! Er springt zweimal aus dem Wasser und verschwindet so schnell wie er gekommen ist! Das Wasser wird immer kabbeliger. Der Wind nimmt auf Stärke 2 -3 ab. Die Kreuzseen schleudern ASANA hin und her! Das Schiff ist schwierig zu steuern. Um besser manövrierbar zu sein, reffen wir das Grossegel ganz aus. Im Cockpit sind wir angegurtet. Den Aufenthalt in der Kabine beschränke ich auf die stündlichen Logbuch- und Seekarteneintragungen. Es ist schwierig, Halt zu finden. Eine echte Herausforderung für Lina und mich. Wir nehmen eine zweite Vitamin-C-Tablette. Es wird uns auch dieses Mal nicht schlecht, aber wir sind beide nicht weit davon entfernt!

 

Um 15:00 Uhr nähern wir uns der Pta. Sant’Angelo auf der Insel Ischia. Drei Q-Wenden und wir haben die Hafeneinfahrt Sant’Angelo um den grossen Felsen herum geschafft. Der Ormeggiatore ist nicht zu sehen. Lina telefoniert ihm. Er verspricht, „subito“ zu kommen. Stattdessen aber kommt ein Hotelangestellter, welcher kaum Bescheid weiss. Nach dem ersten misslungenen römisch-katholischen Anlegemanöver mit starkem Seitenwind breche ich diesen Versuch ab und binde ASANA längs der Hafenmauer an. Wir sind froh, im geschützten Hafen zu sein. Ja, segeln hat eben seine harten Seiten. Diese 26 sm haben wir uns in 4 ½ Stunden wirklich erarbeitet! Zwar steht hier kein Elektrisch- und kein Wasseranschluss zur Verfügung, dafür kostet die Übernachtung an der Hafenmauer unverschämte 70 Euro!

 

Ich bewundere Lina, welche nach diesem strengen Segeltag noch die Energie aufbringt, ein Nachtessen zu kochen! Anschliessend fallen wir todmüde in die Kojen und schlafen schnell ein. (Toni)

 

 

Di 05.06.2012: Inselrundfahrt auf Ischia

 

So, jetzt sind wir wieder munter und offen für Neues! Der kleine Hafen Sant’Angelo ist ein Bijou und „gfürchig“ teuer! Trotzdem beschliessen wir, noch einen, vielleicht auch zwei Tage zu bleiben, ist ja schliesslich Ischia! Nach dem üblichen „Chehr“, der auch auf einem Schiff täglich anfällt, vor allem nach einem Segeltag, fahren wir mit dem Bus vom Süden der Insel der Westküste entlang nordwärts bis zum luxuriösen Seebad Lacco Ameno. Weiter an der Nordküste bis Ischia Porto mit dem grössten Hafen der Insel und Ischia Ponte mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem imposanten Castello d’Aragon in luftiger Höhe! Ischia ist, zumindest zu dieser Jahreszeit, üppig grün. Auf der Rückfahrt klettert der Bus durch enge und engste Strässchen, schlängelt sich durch den Gegenverkehr. Hoch oben in Serrara Fontana, einem hübschen Städtchen, welches wir vom Hafen Sant’Angelo aus schon bewunderten, bieten sich herrliche Ausblicke auf die Südküste! Zufrieden und bei weitem nicht so müde wie gestern lassen wir auf ASANA den Abend ausklingen und fällen einen spontanen Entscheid: wir wollen den für morgen vorhergesagten guten Wind nutzen und weiter nach Sorrento segeln. (Lina)

 

 

Mi 06.06.2012: Gemütliches Segeln von der Insel Ischia aus durch den Golf von Neapel nach Sorrento

 

24. Fahrttag (24 sm): Nach allen notwendigen Checks legen wir ab, laufen aus und setzen bereits beim Capo Grosso die Segel! Vom Schiff aus zeigt sich die Südküste nochmals in einem anderen Licht! Nach dem letzten Insel-Kap, der Punta S. Pancrazio, nehmen wir Kurs direkt auf Sorrento. Bei schönstem Wetter und angenehmem Wind segeln wir rund 20 sm geradeaus. Langweilig? Diese einfache Art des Segelns ermöglicht es uns, den weiten und interessanten Rundblick zu geniessen.

 

ASANA vom oberen Zürichsee hat achteraus die Inseln Ischia und Procida, backbords Neapel und den Vesuv, steuerbords die Insel Capri und klar voraus Sorrento auf dem 50 m hohen Tuff-Felsen in Sicht! Ein super Panorama! Die friedvolle Stimmung wird nur zwei Mal kurz gestört: Kollisionskurs mit einer Schnellfähre, sie weicht uns aus! Anders der Frachter Marina Azzurro, dem wir schliesslich trotz Vortritt als Segler mit zwei Wenden „entwischen“! Adrenalinspiegel senkt sich wieder!

 

Im Hafen Marina Piccola legen wir als vorerst einziges Segelschiff an einem nigelnagelneuen Schwimmsteg an. Noch nicht mal Elektrisch- und Wasseranschlüsse sind montiert! Aber 50 Euro kostet die Nacht! Also wird wieder ASANAs Gasversorgung aktiviert, damit die Küche nicht kalt bleibt! (Lina + Toni)

 

 

Do 07.06.2012: Hafentag in Sorrento

 

Verkehrte Welt! Ein Blick hoch oben von der Klippe bestätigt, was Rod Heikell in seinem Hafenhandbuch schreibt: in die Marina Grande in Sorrent hätte nicht mal unsere ASANA reingepasst! Die Marina Piccola, wo wir jetzt liegen, ist auch klein, dafür aber der lebhafteste Hafen, den wir bisher kennen gelernt haben. Seit wir angekommen sind, liegen zwei Kreuzfahrtenschiffe vor Anker; im Dauerbetrieb werden die Kreuzfahrer mit kleinen Booten an Land und wieder zurück transportiert. Die Schiffchen kreuzen sich direkt hinter uns am Steg und legen knapp hintereinander an. Eben ist die Schnellfähre „Capri-Jet“ eingelaufen und entlässt zu Hunderten junge Leute an Land! Verrückter Betrieb während des ganzen Tages! Wie das wohl in der Hauptsaison zu und her gehen mag?

 

Auffallend in Sorrent sind die vielen, farbenfrohen Villen und Hotels aus der Belle Epoque. Durch enge Gässchen mit sehr ansprechenden Einkaufsgeschäften finden wir uns plötzlich wieder im Grünen. Die Stadt liegt inmitten von Orangen- und Zitronengärten und ist eine Reise wert! In anmächeligen Obst- und Gemüseläden ergänzen wir unsere Vorräte. Mitten im Einkauf klingelt Tonis Handy. Das französische Paar Pierre und Fabienne mit der Gibsea 28, welches wir in Ischia kennen gelernt haben, ist im Porto Grande eingetroffen. Toni und ich steigen die zuvor erklommenen 50 m hohen Klippentreppen wieder runter und wir treffen uns zu einem Apéro im „Grossen Hafen“! Für den Heimweg zu ASANA müssen wiederum die 50 m hohen Tuff-Felsen überwunden werden, rauf und runter. Statt schwimmen heute also Treppen steigen!

 

Morgen segeln wir weiter nach Salerno, so Gott will und er auch den Wind wehen lässt! Und sonst: Toni hat den Dieseltank wieder aufgefüllt! (Lina)

 

 

Fr 08.06.2012: Fahrt von Sorrento aus, durch die Meeresenge zwischen der Punta Campanella und Capri hindurch, der Amalfiküste entlang nach Cetara

 

25. Fahrttag (28 sm): Um 10.00 Uhr sind wir Richtung Amalfi-Küste unterwegs. Neapel ist im Smog kaum zu sehen. Der Felsen Scoglio Vervece zieht backbords und die Insel Capri steuerbords vorbei. Das Meer ist flach. Absolute Flaute herrscht, obwohl verschiedene Voraussagen auf SE-SW-Wind in Stärke 1 – 3 lauteten. Auch am Mittelmeer gibt es ganze Tage ohne Wind, nicht nur am Zürichsee! Der Dieselmotor schiebt ASANA zuverlässig um die Punta Campanella herum, wo die Amalfiküste mit ihren steilen Hängen, an welchen kleine Ortschaften kleben, beginnt. Dazwischen graue Felsen und das satte Grün der Zitronenpflanzen und Reben im Terrassenbau!

 

Um 12.00 Uhr schalten  wir erstmals in diesem Jahr eine Badepause auf offener See ein. Das Wasser hat angenehme 24 Grad. Nach dem Mittagessen kurven wir vor der Ortschaft Positano vorbei und geniessen die Aussicht auf das hübsche Städtchen. Das Capo Vettica Maggiore und das Capo Conca lassen wir links liegen, und dann öffnet sich der Blick auf Amalfi, das Schmuckstück der Küste! Im Mittelalter ein wichtiges Handelszentrum, dann vergessen, bis im 18. und 19. Jh. Künstler den Charme dieser Gegend entdeckten. Ab den 50er Jahren liess sich der internationale Jetset hier nieder. Heute leidet Amalfi unter dem Ansturm der Tagestouristen, welche mit Cars über die sogenannte schönste Küstenstrasse der Welt anreisen. Für Besucher empfehlen wir eher, vom Ausflugsschiff aus diese schöne Küste zu bestaunen.

 

Beim Capo d’Orso breitet sich die Sicht auf die Stadt Salerno aus. Wir baden nochmals im unterdessen 26 Grad warmen Wasser. Eine Seemeile weiter erblicken wir das schmucke Dörfchen Cetara. Obwohl wir eigentlich Salerno im Auge hatten, fahren wir kurzentschlossen in den kleinen Hafen ein, in der Hoffnung, einen freien Platz zu finden. Fischerboote in jeder Grösse, auch Trawler, welche zwischen dem 15. Mai und dem 15. Juni auf Thunfischgang gehen, sind hier angebunden. Die Fangquoten werden durch die Behörden streng kontrolliert. Am hintersten Schwimmsteg sehen wir einen freien Platz, und schon winkt uns der Ormeggiatore dort ein. Wir werden wieder einmal sehr freundlich begrüsst und fühlen uns sofort wohl hier. Alles ist sehr nahe beisammen: Schiffssteg, Badestand, Toilette und das Ortszentrum mit Bars, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Zusammen mit ASANA befinden sich lediglich vier Segelschiffe in diesem Hafen.

 

Beim Spaziergang entlang der Hafenmole kommen wir mit einem älteren Fischer ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass er 60 Jahre mit grossen Passagierschiffen zur See gefahren ist und als Kapitän auf allen Weltmeeren unterwegs war. Spontan lädt er uns zu einem Kaffee in die Bar seiner Familie ein. Beim Ormeggiatore melden wir uns schliesslich gleich für fünf Tage an. (Toni)

 

 

Sa 09.06.2012: Hafenerlebnisse in Cetara

 

Ein erster Hafentag an einem neuen Ort ist immer etwas Spezielles! Neugierig streifen wir durch das am Hang klebende Städtchen, bleiben hier stehen, da stehen, schauen zu, wie ein Hochzeitspaar von den Fotografen in Pose gesetzt wird. Durch kleine Plakate erfahren wir, dass heute in Cetara die alljährliche, feierliche Prozession von der Kirche Maria de Costantinopelo zur Kirche San Pietri stattfindet. Unter einem von Männern getragenen weissen Baldachin (die Einsiedler sagen diesem Baldachin „Himmel“) wird von sechs Frauen eine grosse, blumengeschmückte Muttergottes-Statue mitgetragen, das Ganze begleitet durch die Stadtmusik. Ob das abendliche Feuerwerk zu diesem Fest oder zur Hochzeit gehört, ist uns nicht klar, aber schön und laut ist es alleweil!

 

In Cetaras Hafen liegen ja vor allem Fischerboote, und so treffen wir an der Mole wieder Gennaro, den Fischer, der seine Netze flickt. Wiederum nimmt er uns spontan zum Kaffee mit und erzählt uns auf seinem interessanten Leben. Wir verstehen längst nicht alles, aber ein mühsam gesuchtes italienisches Wort gibt das andere. Und so vereinbaren wir mit Gennaro, morgen Sonntag um 04.00 Uhr zu seinem Fischerboot zu kommen und mit ihm rauszufahren! (Lina)

 

 

So 10.06.2012: Ein uraltes Träumli wird wahr! Mit einem Fischer hinaus aufs Meer!

 

Schlaftrunken hören wir um 03.30 Uhr einige Regentropfen aufs Luk fallen. Trotzdem stehen wir um Punkt vier Uhr beim Fischerboot S. Bernadette von Gennaro, und ein paar Minuten später fahren wir mit ihm durch die dunkle, sternenlose Nacht hinaus aufs Meer. Die Blitzboje, welche Gennaro den Anfang seines am Vortag ausgelegten Netzes anzeigt, findet er ohne Kompass und GPS, nur nach Sicht und durch seine jahrelange Erfahrung. Jetzt geht’s los! Von 04.30 Uhr bis 09.00 Uhr zieht der Fischer mit immer gleicher Bewegung das 5‘000 m lange Netz aus einer Tiefe von 200 m und „chnübled“ verschiedenste Fische daraus, wie einen Aal, kleine Haie, dann auch Crevetten, einen Seestern und manchmal einen Krebs. „Gamberone“, schreit Gennaro voller Freude, wenn ihm eine schöne Krabbe ins Netz gegangen ist! Sofort nach dem Einholen wird das Netz wieder ausgebracht. Eine moderne Motor-Fischer-Yacht hält Kurs auf die S. Bernadette

 zu und will Gennaro das Revier streitig machen. Selbstbewusst und zornig nimmt Gennaro per Funk Kontakt auf mit der Küstenwache, bzw. dem Hafen Amalfi: das Boot verschwindet und Gennaro murmelt und schimpft etwas von „Mafia“… Toni steuert das Fischerboot mit einem 150-PS-Dieselmotor und max. 9.3 Kn Fahrt an Amalfi vorbei zurück in den Hafen von Cetara. Ein alter Traum ist für Toni und mich heute wahr geworden: einmal mit einem Fischer hinaus aufs Meer! (Lina)

 

 

Mo 11.06.2012: Hafen- und Badetag, Besuch von Salerno

 

Wir geniessen die schöne Umgebung, das heimelige Städtchen Cetara, die Kontakte zu Einheimischen und das Schwimmen im Meer vom sehr nahen Strand aus.

 

Heute Montag fahren wir mit dem Bus über die letzte Ortschaft der Amalfiküste, Vietri sul Mare, in die Stadt Salerno, wo uns vor allem die schöne Kathedrale überrascht. Abends geniessen wir zusammen mit dem Fischer Gennaro in der Pizzeria El Convento die hiesige Spezialität „Alici“ auf Rucola (frittierte Sardellen), gefangen im Golf von Salerno, und anschliessend eine feine Pizza. (Toni)

 

 

Di 12.6.2012: Fahrt nach Amalfi, Besuch im Hause von Fischer Gennaro

 

Übereinander gebaute Häuser, mannsbreite, weiss gestrichene Fussgängertunnels, unzählige Souvenirläden, viele Touristen, an den unmöglichsten Stellen parkierte Autos und ein überraschend grosser Dom prägen den alten Dorfkern von Amalfi. In der Vorhalle des Doms betritt man den im normannisch-arabischen Stil erbauten Paradies-Kreuzgang, in der Krypta befinden sich seit dem 13. Jh. die Gebeine des Apostels Andreas. Auf der Rückfahrt im Bus kneife ich des Öfteren mal kurz die Augen zu, so steil abfallend sind die Küsten! Aber die routinierten Fahrer meistern ihre Arbeit souverän und wir kommen über Minori und Maiori wohlbehalten und voller Eindrücke in Cetara bei unserer ASANA an.

 

Abends sind wir im Hause des Fischers Gennaro und seiner Frau Nicidata eingeladen. Wir freuen uns, .dass Gennaro die Schwiegereltern seines Sohnes eingeladen hat: Carmela ist in Winterthur aufgewachsen, ihr Mann hat 22 Jahre in Winterthur gearbeitet. Ihre Übersetzungskünste kommen uns natürlich sehr gelegen, und wir verbringen einen gemütlichen und informativen Abend zusammen. (Lina)

 

 

Mi, 13.06.2012: Kurzbesichtigung von Neapel und Pompeji

 

Mit dem Intercity dauert die Fahrt von Salerno nach Neapel nur eine halbe Stunde und zeigt uns ein wenig vom Hinterland. Zitronen, Oliven und Wein, aber auch massenweise Gemüse, Tomaten, Auberginen, Zucchetti usw. werden hier angebaut. Neapel löst bei mir ganz widersprüchliche Gefühle aus: ein grosser, heller, moderner und sehr sauberer Bahnhof, ein Wahnsinns-Strassenverkehr, eine mehr oder weniger heruntergekommene Altstadt, aber auch imposante und gepflegte Gebäude prägen das von uns besuchte Stadtbild. In der „Gasse der Krippenfiguren“ formen Handwerker seit dem 17. Jh. tönerne Figürchen, welche teilweise Politikern oder sonstigen Berühmtheiten gleichen! Nicht zu umgehen ist auch hier in Neapel der Besuch des Doms, der dem Stadtpatron Januarius geweiht ist. Gross, mächtig, imposant, aber ich fühle mich nicht zu Hause da drin, am ehesten noch im Seitenschiff des S. Gennaro!

 

Der Nachmittag ist Pompeji gewidmet, einer einst blühenden Hafenstadt mit 20‘000 Einwohnern. Im Jahre 62 n.Chr. wurde sie durch ein schweres Erdbeben zerstört. Noch nicht wieder fertig aufgebaut versank Pompeji nach einem Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n.Chr. unter einer sechs Meter dicken Ascheschicht. Die im 18. Jh. begonnene Freilegung ist heute erst zu zwei Dritteln abgeschlossen; zu besichtigen ist aber nur ein kleiner Teil, und auch hier sind, ganz im Gegensatz zu Ostia Antica, viele Wege und Zugänge versperrt. Anscheinend droht ein erneuter Zerfall: einerseits durch zu viele Touristen (über 2 Mio pro Jahr), und anderseits durch Vandalismus. Ob ich mir eine falsche Vorstellung gemacht habe? Pompeji hat mich nur sehr wenig berührt, und auch Toni geht’s ähnlich!

 

Auf dem Rückweg unterbrechen wir die Fahrt im End- oder Ausgangspunkt der Amalfi-Küste: Vietri sul Mare, eine lebhafte süditalienische Kleinstadt mit Schwerpunkt Keramikherstellung! Im Nu zaubert der Töpfer auf seiner Scheibe in der Werkstatt ein Öllämpchen ums andere hervor! Überall in den Strässchen zeugen Keramikbilder von der farbenprächtigen Kunstfertigkeit. In der kleinen Kirche ist auf der linken Seite zu Ehren des heutigen Antoniustages ein reich geschmückter Antoniusaltar aufgestellt. Ja, Toni hat heute Namenstag, und wir merken, dass dem Namenstag hier in Süditalien eine viel höhere Bedeutung zukommt als bei uns. Die Bambini werden, wie bei uns zum Geburtstag, von Mama und Papa, Nonna und Nonno usw. mit Geschenken verwöhnt. Andere Länder, andere Sitten!

 

Zum Znacht gibt’s auf ASANA den ersten Kürbis-Risotto dieser Saison. Zu Hause würde das schon ganz bedenklich nach Herbst riechen!!! (Lina)

 

 

Do 14.06.2012: Letzter Tag in Cetara

 

Schönster Sonnenschein, Luft- und Wassertemperaturen um die 25 Grad, ein Tag wie geschaffen zum Bädelä, aber nicht nur! Da wir morgen auslaufen, wird. u.a. eingekauft. Toni probiert ein neues System für die totale Wassertankentleerung aus, Methode Pfadi, mit Ansaugen durch einen Schlauch in der richtigen Länge und dem passenden Gefälle, und halleluja: es funktioniert! Beim Einkaufen treffen wir „Dolmetscherin“ Carmela und ihren Mann Lorenzo. Auf mein Jammern über die fehlende Lavanderia bietet sie spontan an, unsere überfällige Bettwäsche bei sich zu Hause zu wasche; selbstverständlich will sie dafür nichts entgegen nehmen. Lorenzo holt die Wäsche bei uns ab, und nach dem Fussballmatch Italien-Kroatien treffen die Beiden samt fein säuberlich sonnengetrockneter Wäsche auf ASANA zum Apéro ein! Da haben wir kühlen Schweizer wohl noch was zu lernen, nicht? (Lina)

 

 

Fr 15.06.2012: Gemütliches Segeln durch den Golf von Salerno von Cetara nach Agropoli

 

26. Fahrttag (23 sm): Gestern Abend haben wir bereits Einiges für den heutigen Segeltag vorbereitet. Der thermische Wind lässt zuerst jedoch noch auf sich warten. So gönnen wir uns ein letztes Bad im 24 Grad warmen Wasser am Strand von Cetara. Wehmütig verabschieden wir uns von dieser schönen Amalfi-Ortschaft, wo wir so viele liebenswürdige Menschen kennen gelernt haben. Beim Ablegen um 10:30 Uhr bläst noch der Landwind aus Salerno, aber bereits um 11 Uhr setzt der erwartete Seewind in der Stärke 2 ein. Das Meer kräuselt sich leicht. Keine Dünung ist spürbar. Fast wie am Zürichsee! Die Segel sind schnell gesetzt und der Motor abgestellt. ASANA nimmt mit plätschernder Bugwelle und leichter Krängung den geraden Kurs von 145 Grad Richtung Agropoli unter den Kiel. Um die Mittagszeit breitet sich die ganze herrliche Amalfiküste inklusive Capri und Salerno hinter uns aus. Langsam verschwinden die Details im Dunst und voraus wird die auf den hohen Felsen gebaute Altstadt von Agropoli mehr und mehr sichtbar. Nach 21 geradeaus gesegelten Seemeilen ohne irgendwelche Manöver, legen wir, bevor wir in den Hafen einlaufen, nochmals eine Badepause ein. Das Wasser hat unterdessen angenehme 25 Grad. Agropoli hat anscheinend seinen Namen als Verballhornung von „Akropolis“ erhalten. Wir bestaunen den fantastischen Sonnenuntergang vor der Kulisse von Capri und der Amalfiküste. Sind deshalb die Hafengebühren hier so unverschämt hoch? Wir entschliessen uns jedenfalls, morgen weiter zu fahren. (Toni)

 

 

Sa 16.06.2012: Heisse Schifffahrt um die Punta Licosa von Agropoli über Acciaroli nach Palinuro

 

27. Fahrttag (32 sm): Heute erleben wir den ersten richtig heissen süditalienischen Tag. Bereits morgens um 8 Uhr zeigt das Thermometer 25 Grad an. Kurz nach dem Auslaufen schalten wir deshalb um 8:30 Uhr die erste Badepause auf offener See ein. Das Wasser hat 24 Grad! Kein Lüftchen regt sich. Das Meer liegt bleiern vor uns. ASANA hinterlässt bei der Weiterfahrt eine Bugwelle, welche weit sichtbar ist. Bei der Punta Licosa, mit der Isola Licosa davor, fahren wir einen weiten Bogen um die Unterwasserriffe Secche di Licosa. Damit lassen wir den Golf von Salerno hinter uns! Dann fahren wir der 20 m-Tiefenlinie nahe der Küste entlang. Nach der Punta Aligostro breitet sich ein schöner Badestrand aus. Dies animiert uns zum zweiten Badehalt. Das Wasser hat nun 25 Grad!

 

Bei Acciaroli lassen wir es uns nicht nehmen, im Hafen eine kleine Runde zu drehen, um das hübsche Städtchen zu betrachten. Vor dem Hafen signalisiert ein Westquadrant ein gefährliches Riff (für Nichtsegler: Der Westquadrant ist ein Seezeichen auf einer Stange, welches anzeigt, dass Schiffe es auf der westlichen Seite zu umfahren haben). Unterdessen zeigt das Thermometer 29 Grad an. Wir halten uns vor allem im Schatten der Sprayhood auf und lassen unseren „Fritzli“ steuern. Jetzt schätzen wir die kühlen Getränke aus dem Kühlschrank und den Fahrtwind durch das geöffnete Fenster in der Sprayhood! Um zwei ist die nächste Badepause fällig. Wir geniessen es so richtig, im tintenblauen Wasser neben ASANA zu schwimmen. Die See ist nach wie vor absolut glatt und unterdessen 26 Grad warm.

 

Kurz vor dem Hafen von Palinuro lassen wir heute zum vierten Mal die Heckklappe, die Badeleiter und die Kleider fallen. Wir glauben es fast nicht, aber der Fühler unter dem Schiffsrumpf zeigt wirklich 27 Grad an! Wir haben hier bald Thermalwassertemperatur! Eigentlich möchten wir ab und zu gerne über Nacht in einer geschützten Bucht ankern. Weil die italienische Küste meistens steil abfällt, gibt es kaum geeigneten Ankergrund. Zudem sind die wenigen geschützten Buchten mit Hafenanlagen oder Bojen belegt. Die übrigen Buchten eignen sich eigentlich nur zum Tagesankern!

 

Beim Annähern an den Hafen von Palinuro sehen wir nur den Mast einer einzigen Segelyacht. Im kleinen Hafen selbst sind unzählige Bojen ausgelegt, an welchen Motorboote von Dauermietern hängen. Hat es hier wohl Platz für ASANA oder müssen wir einen anderen Hafen aufsuchen? Ganz hinten sichten wir am Ende des Badestrandes die Hafenmauer, an welcher ein paar grosse Motoryachten festgemacht sind. Schon kommt der Ormeggiatore mit seinem Schlauchboot entgegen und auf meine Frage: „Avete un posto per nostra barca a vela?“ antwortet er: „Si si venite!“ und fährt uns voraus. Wenige Minuten später ist ASANA an der neuen Hafenmauer festgemacht. Das Mooringtau müssen wir verlängern. Offensichtlich ist die Hafenanlage für grössere Schiffe ausgelegt. Und wirklich füllt sich die Hafenmauer gegen Abend mit grossen italienischen Motoryachten. Wir mit unserer 10 m-Segelyacht unter Schweizerflagge kommen uns recht exotisch vor!

 

Der Hafenmeister offeriert uns einen Spezialpreis und faselt dabei etwas von Schweizer Schokolade. Auf seiner Preisliste steht das Doppelte! Weil es uns hier gefällt, zahlen wir gleich für drei Tage. Im Hafen schätzen wir die Nähe des Badestrandes, das Sonnenverdeck von Ruth über dem Cockpit und am Abend die Lüftung der Heizung, mit welcher wir abgekühlte Luft in die Kabine blasen können. Ja, ein erster wirklich heisser Tag! An diese Verhältnisse müssen wir Nordländer uns noch gewöhnen. (Toni)

 

 

So 17.06. – Di 19.06.2012: Hafentage in Palinuro

 

Ein übers andere Mal muss ich mir diesen Ortsnamen vorsagen, nicht mal eine Eselsbrücke fällt mit dazu ein! Zum Glück geht’s Toni auch so! Kennt vielleicht von Euch jemand diese kleine Stadt? Noch ist das Leben hier recht ruhig, aber der hübsche Ort soll sich touristisch recht entwickeln. Im Hafen, einem ehemaligen Fischerhafen, können wir nur noch drei Boote ausmachen, die regelmässig zum Fischen auslaufen. Etwa zehn grössere Motorjachten, mit uns zusammen nur drei Segelschiffe, den grossen Rest bilden kleine, weiss-blau gestrichene frühere Fischerboote, welche heute mit Gästen vom Hafen zu den verschiedenen Buchten und Grotten tuckern. Nicht nur Capri, auch Palinuro kann mit einer blauen Grotte auftrumpfen!

 

Auf dem ersten Kennenlern-Spaziergang am Sonntag geraten wir unversehens in einen Gottesdienst in einer ganz modernen Kirche. Ein halbes Dutzend lebhafter Mädchen im Alter von etwa 10 – 12 Jahren und Schalk in den dunklen Augen bilden den Kirchenchor und singen frisch von der Leber weg teils temperamentvolle, teils wehmütige, sicher aber sehr gefühlvolle süditalienische Kirchenlieder! Dicht neben der heutigen Kirche steht der halb verfallene Campanile der ersetzten alten. Kriegsschaden? Wir wissen und erfahren es nicht!

 

Auf unserer bisherigen Reise haben wir noch nie einen so feinen und auch sauberen Sandstrand gefunden wie hier. Sand? Sobald ich mich mit dem Geriesel angefreundet habe, vermisse ich die bisherigen Kiesstrände nicht mehr. Auch Toni geniesst den Gegensatz zwischen dem heissen Sand und dem trotz 26 Grad warmen, aber immer noch erfrischenden Wasser des Mare Tirreno! Urplötzlich ist mit aller Wucht der Sommer eingefahren; auch die Zikaden verkünden ihn mit ihrem Konzert! Frühmorgens liegt noch eine kleine Höhenwanderung drin: ein steiler Weg ab dem Hafen führt uns zu wunderschönen Ausblicken in verschiedene Buchten. Herdengeläut in einem Hafen am Meer? Sind wir noch zu retten? Die von mir vermuteten Ziegenglöcklein entpuppen sich als kleine Glocken, welche vier hoch über den Felsen inmitten von Macchia, Ginster und anderen Gewächsen weidende Rinder (!!!) um die mageren Hälse tragen! Neugierig trampeln sie hin und wieder den Stufenweg runter zum Hafen. Ordentlicher Ormeggiatore eines Hafens oder wilder Cowboy? Jedenfalls ist es der Ormeggiatore, der die Rindviecher mit Steinen und Händeverwerfen in ihre Gefilde zurücktreibt!

 

Gemächlich werden im Hafen weitere hübsche, kleine, frisch gestrichene Boote und Pedalos, Liegestühle und Sonnenschirme bereitgestellt. Auch wir schützen uns und ASANA mit Sonnendach und allen möglichen Tüchern vor der sengenden Sonne. Zwischen anfallenden kleinen Arbeiten an Bord, Einkaufen, Fotobearbeitung, „Gebären“ der Berichte (nur selten kann ich sie aus dem Ärmel schütteln!) und dem Hochladen ins Internet suchen wir in diesen Musse-Tagen immer wieder das klare, türkisfarbene Wasser auf. Welch ein Leben!

 

PS: Jetzt, während ich diese Zeilen „eintöggele“, ist es Dienstagabend, 21.00 Uhr. In der Kabine haben wir satte 28 Grad, und mir läuft salziges Gerinnsel über Gesicht und… Das Verständnis für die hier bereits angelaufenen Schulferien wächst von Tag zu Tag! (Lina)

 

 

Mi 20.06.2012: Fahrt von Palinuro aus, entlang der zauberhaften Küste, über Camerota und Scario sowie durch den Golf von Policastro nach der Ankerbucht von Sapri

 

28. Fahrttag (23 sm): Frühmorgens legen wir ab und überqueren bereits um 09.20 Uhr den 40. Breitengrad. Eine zauberhafte, wilde Felsküste mit vielen Grotten und Tropfsteinhöhlen zieht langsam an uns vorbei. Im malerischen Hafen Camerota füllen wir wieder mal unseren Dieseltank auf. Der ausbleibende Wind lässt die Temperaturen steigen, und wir geniessen unsere gemütliche Fahrt mit mehreren Badepausen. Wir drehen eine Runde durch den Hafen des hübschen Städtchens Scario. Heute wollen wir’s wissen! Kein Hafen für die Nacht, nein, eine der eher seltenen Ankerbuchten ist unser Ziel! Sapri heisst das Städtchen hinter der Bucht, in der wir den Anker mit 30 m Kette setzen. Motor aus, Ruhe überfällt uns! Andere Töne treten nun hervor: erstmals hier an der italienischen Küste hören wir Krähenvögel und sichten ein Lachmöwenpaar, Amseln singen, ein „Güli“ kräht, die Spyren jagen durch die Lüfte, wie zu Hause. Nur das intensive Konzert der Zikaden und das Thermometer künden von der südlichen Hemisphäre! Mit eintretender Dunkelheit montiert Toni unsere bewährte Ankerlaterne und zur zusätzlichen Sicherheit ein Blitzlicht am Heck. (Lina)

 

 

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