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Unsere Route mit ASANA im Juni 2013

Mi 26.06.2013: Segeln bei Bora-Sturmböen von Osor nach Cres

 

21. Fahrttag (26 sm, die ganze Strecke gesegelt!)

 

Auch heute ist wieder früh aufstehen angesagt, denn auch heute gilt es, um 9 Uhr das Öffnen der Drehbrücke, über welche die Hauptstrasse von der Insel Cres nach der Insel Lošinj führt, nicht zu verpassen! Pünktlich um 09:00 Uhr staut sich der gestoppte Verkehr, die Brücke schwenkt nach links weg und ASANA passiert als zweites Schiff den Lošinjski-Kanal, welcher 12 m breit und 2.5 m tief ist. Wieder beschleunige ich mit dem Motor. Eine Strömung von rund 4 Knoten gibt uns zusätzlichen Schub, so dass wir an den vielen Zuschauern, welche das Schauspiel verfolgen, richtig vorbei sausen!

 

Auch heute können wir wieder nach der Durchfahrt durch den Kanal sofort Segel setzen. Die Bora weht zuerst in angenehmer Stärke 3 – 4 aus Nordosten, was uns einen günstigen Anliegerkurs beschert. Aber bereits eine halbe Stunde später nehmen Wind und Böen stetig zu. Wir setzen das erste Reff, 10 Minuten später das zweite und weitere 5 Minuten später das dritte Reff. Es macht den Anschein, als ob Rasmus uns auf der letzten Etappe dieses Frühjahrs noch einmal so richtig auf die Probe stellen möchte! Knallharte Böen fallen den Bergrücken hinunter auf ASANA und wollen sie zur Seite drücken! Aber wir sind ein gut eingespieltes Team: Lina, ASANA und ich! Wir lassen uns nicht aus dem Konzept bringen! Ich entscheide aus Sicherheitsgründen, dass wir erstmals in diesem Jahr das Grossegel ganz bergen und nur mit der Fock segeln. Meine Augen sind konzentriert auf die Wasseroberfläche voraus gerichtet, um möglichst frühzeitig starke Böen zu erkennen und das Schiff ihnen entgegenzusteuern, um die Windenergie in Vorwärtsfahrt umzusetzen und übermässige Krängung zu vermeiden! Daraus wird ein regelmässiger Zickzackkurs, aber mit dem Ergebnis, dass wir problemlos die Böen in Stärke 7 aussegeln können! Nur ein einziges Mal erwischt uns eine Mini-Salzwasserdusche im Gesicht! Es kommt uns vor, wie bei einer starken Bisenlage auf dem oberen Zürichsee vor Schmerikon!

 

Gegen Mittag flaut der Wind ab und dreht Richtung Norden. Wir setzen das Grossegel, reffen aus und kreuzen am Leuchtfeuer Zaglav und dem Kap Pernat vorbei. Aus dem Abfallen Richtung Osten wird nichts, weil genau nach dem Kap die Bora wieder einsetzt, dieses Mal aus Osten. Der Wind ist auch hier sehr böig und stark drehend. Nun mache ich es wie in früheren Regattazeiten. Statt bei einer Winddrehung abzufallen, lege ich jeweils sofort das Ruder zu einer Wende. So kommen, bis wir die Segel in der Bucht von Cres bergen, total 17 Wendemanöver am heutigen Tag zustande. Dies habe ich noch nie auf dem Meer erlebt! Wir sind dankbar über die Selbstwendefock von ASANA!

 

Um 15 Uhr haben Lina, ASANA und ich zusammen das erste Ziel dieses Jahres, die ACI-Marina von Cres, erreicht. Unvergessliche Erlebnisse, Begegnungen mit vielen lieben Menschen und 470 Seemeilen liegen in unserem Kielwasser. Die Reise führte über 21 Teiletappen, von denen wir bei 11 von Hafen zu Hafen gesegelt sind! Total hat ASANA jetzt 2‘292 Seemeilen, davon 1‘227 Seemeilen unter Segel, ohne Probleme auf dem Meer zurückgelegt.

 

Schiff und Mann- und Frauschaft sind glücklich, zufrieden und wohlauf!!! (Toni)

 

26.06.2013: Detailansicht vom Aufkreuzen gegen Boraböen, zuerst aus Norden, dann aus Osten bis Nordosten, zur ACI-Marina von Cres mit 17 Wendemanövern. Wir schätzen dabei, dass ASANA mit einer Selbstwendefock ausgerüstet ist.

 

Di 25.06.2013: Segeln von der Drehbrücke von Mali Lošinj zur Drehbrücke von Osor

 

20. Fahrttag (12 sm, 9 sm davon gesegelt)

 

Heute heisst es, früh aufstehen, denn wir wollen die Öffnung der Drehbrücke zum Privlaka-Kanal nicht versäumen! Neben den normalen Checks kontrolliere ich auch wieder einmal den Wasserabscheider in der Dieselleitung, weil ich nicht sicher bin, ob über den Tank(nicht)verschluss etwas Regenwasser in den Dieseltank gedrungen ist. Wasser fliesst keines heraus, aber ein wenig Schlamm! Jetzt herrscht gerade Ebbe zur Springzeit (Für Nichtsegler: Zur Vollmond- und Leermondzeit ist die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser am höchsten). Weil hier die Hafenmauer auch bei normalem Wasserstand recht hoch ist, wird das Ein- und Aussteigen aus dem Schiff über die Gangway heute zur reinsten Kletterpartie!

 

Um 08:45 Uhr kurven wir, zusammen mit vielen anderen Schiffen vor der Drehbrücke und warten gespannt darauf, dass sie geöffnet wird. Pünktlich um 09:00 Uhr wird der Verkehr auf der Hauptstrasse nach Mali Lošinj angehalten und die Brücke weggedreht. ASANA und die anderen Schiffe können nun den Privlaka-Kanal passieren. Dieser ist nur 7 m breit und 2.5 m tief. Im Kanal selber und auch danach ist das Wasser stark aufgewühlt vom entgegenkommenden Wind, der Strömung und den vorausfahrenden Schiffen. Ich gebe dreiviertel Gas, um mit möglichst viel Schwung sicher durchzukommen. ASANA wird arg durcheinander geschüttelt!

 

Nach der Durchfahrt durch den Kanal setzen wir sofort Segel und kreuzen bei einem schönen Nordwind in Stärke 3 – 4 und abnehmendem Seegang Richtung Osor. Dieses Mal gefällt es mir am besten, wie ASANA mit bis zu 7 Knoten am Wind läuft! Kurz nach 11 Uhr können wir in der Bucht von Osor die Segel bergen und ASANA an einer Boje vor der Drehbrücke festmachen. Damit haben wir die 16. kroatische Insel unserer Reise erreicht! Am Abend bestelle ich per Internet von ASANA aus die Bahnbillette für die Rückreise. Seit einigen Tagen ist für heute starke Bora angesagt. Erst in der Nacht rütteln die ersten Böen am Rigg! (Toni)

 

So 23.06. – Mo 24.06.2013: Segeln, wie Kamelreiten, von Mljake (Insel Ist) nach der Insel Lošinj, Hafentag in der Marina Lošinj

 

19. Fahrttag (29 sm, 23 sm davon gegen Wind und Dünung aufgekreuzt)

 

Nach einer einzigen Nacht in der ruhigen Bucht Mlijake auf Ist nabeln wir uns um 07.00 Uhr von der Boje ab. Die See ist noch sehr flach, aber schon eine halbe Stunde später kreuzt ASANA gemütlich bei NW-Wind Richtung Insel Silba. Zwei Delphine geben ein ganz kurzes Gastspiel! Der Wind dreht langsam auf West, pegelt sich auf 2 – 3 bf ein, und nach einigen Wenden verabschieden wir uns von Dalmatien und segeln in Kvarner-Gewässern.

 

Nach und nach baut sich eine lang gezogene Welle auf, und wir fühlen uns fast wie auf dem Rücken eines zufriedenen Kamels!

 

Die Fahrt durch den Kanal zwischen den Inseln Ilovik und Sv. Petar passieren wir mit Motor, der Sicherheit wegen. So können wir uns in Ruhe umsehen und das hübsche Städtchen Ilovik bewundern. Kaum raus aus dem Kanal setzen wir wieder die Segel und bereits um halb zwei Uhr sind wir an der Mooring der Marina Lošinj, wieder mal mit Wasser und Strom, festgemacht. Es ist heiss. Trotzdem raffen wir uns auf und kaufen in der nahen Stadt Mali Lošinj nach neun Tagen einige Frischwaren ein.

 

Es ist definitiv  n i c h t  mein Tag! Ich spüre den gestrigen und den heutigen Segeltag in allen Knochen und Gelenken! Kaum ist die Sonne untergegangen, verziehe ich mich in die Koje!

 

Toni ist noch zwäg und arbeitet am Laptop, schreibt, mailt, bearbeitet Fotos usw.! (Lina)

 

Sa 22.06.2013: Sportliches Aufkreuzen von Paladinica (Insel Rava) nach Mljake (Insel Ist)

 

18. Fahrttag (26 sm, 21 sm davon gegen den Wind aufgekreuzt) Auszug aus dem Logbuch:

 

Der Wecker schreckt mich unbarmherzig um 5 Uhr aus dem tiefen Schlafe auf. Eine halbe Stunde später wacht Lina vom Lied „JEDE BRUUCHT SY INSEL“ von Peter Räber, unterstützt durch einen Kaffee, langsam auf.

 

06:45 h: Alle Checks sind wieder vollständig erledigt, weil Wind und damit Segeln angesagt ist!

07:00 h: Leinen von der Boje los und unter Motor aus der schönen Bucht Paladinica auslaufen.

07:15 h: Wir passieren die kleine Ortschaft mit dem Fährhafen Mala Rava.

07:30 h: Savar auf Dugi Otok zieht backbords vorbei.

08:00 h: Kap Lučina gerundet, die Insel Utra lassen wir backbords. WNW-Wind in Stärke 2 erlaubt, Segel zu setzen und im Žverinacki-Kanal am Wind aufzukreuzen.

08:20 h: 1. Wende beim Eiland Tatišnjak

08:45 h: 2. Wende hinter dem Eiland Sparečnjak südöstlich der Insel Zverinac.

 

ASANA ist jetzt total 2200 sm auf dem Meer unterwegs, davon in diesem Jahr 400 sm!

 

09:00 h: 3. Wende vor dem Eiland Magarčič vor Dugi Otok.

09:15 h: 4. Wende. Wir kreuzen durch die Bucht vor der Ortschaft Božava auf Dugi Otok. Hier waren wir mit Uschi und Reto vor neun Jahren. Dies war damals der südlichste Punkt unseres Segeltörns!

Der Wind frischt auf Stärke 4 auf. Wir setzen das 1. Reff im Grossegel.

09:30 h: 5. Wende vor dem Kap Tubolj der Insel Zverinac. Böen in Stärke 5 lassen ASANA stark krängen. Wir setzen das 2. Reff im Grossegel. Nun läuft ASANA wieder sauber auf dem Ruder.

09:40 h: 6. Wende vor der Bucht Zagranica

10:05 h: 7. Wende vor der Bucht Jakiuska (Insel Molat). Nun segeln wir im offenen Meer. Die Wellen werden rauh. Ab und zu schlägt der Rumpf von ASANA in ein Wellental!

10:40 h: 8. Wende auf 44o 11‘ N / 14 o 48.8‘ E. Der neue Kurs ist günstiger. ASANA segelt nun sanft durch die Wellen!

11:15 h: 9. Wende beim Eiland Knezacic vor der Insel Molat.

11:22 h: 10. Wende für den direkten Anlegekurs Richtung Kap Tureta. Noch an keinem Tag haben wir auf dem Meer so viele Wendemanöver durchgeführt wie heute! Das Segen mit Krängung und das „Bergsteigen“ bei jeder Wende ermüdet schon etwas!

11:35 h: Vor der Durchfahrt Prolaz i. L. Zapuntel zwischen den Inseln Molat und Ist fallen wir ab und bergen die Fock.

11:50 h: Wir zweigen in die grosse Bucht Mljake auf der Insel Ist ein, der 14. kroatischen Insel, welche wir anfahren.

12:00 h: ASANA ist ordnungsgemäss mit beiden Leinen am Ring unter der Boje festgemacht. Nach diesem sportlichen Aufkreuzen haben wir das erfrischende Bad und den Einlaufdrink wirklich verdient.

 

Auch in dieser Bucht hat es keine Konoba! Aus diesem Grund ist es sehr ruhig hier. Keine lärmenden Chartercrews! Keine herumkurvende Dinghys! Zuerst sind wir ganz allein. Dann legen nach und nach auch andere Yachten, vor allem Eignerboote, an den Bojen an. Von einer Segelyacht aus erklingen schöne Gesänge mit Gitarrenbegleitung. Der Konzessionär der Bojen kommt vorbei, kassiert die Bojengebühr und nimmt den Abfallsack mit.

 

Der Sonnenuntergang wird zu einem einmaligen, faszinierenden Erlebnis (siehe Bild und Video). (Toni)

 

Do 20.06.2013: Ankerbucht Hiljaca (Kornateninsel Žut) - Naturpark Telašćica (Insel Dugi Otok) - Žman (Insel Dugi Otok) - Ankerbucht Paladinica (Insel Rava)

 

17. Fahrttag (21 sm unter Motor)

 

Früher Morgen, 06.30 Uhr, Lufttemperatur 27 Grad! Wir laufen aus unter Motor und geniessen den angenehmen leichten Fahrtwind. Die kleine Insel Žut ist für uns bereits Vergangenheit. Wie verzaubert stehen die Inselchen der Kornaten im weichen Morgenlicht!

 

Am südlichsten Zipfel der Insel Dugi Otok (d.h. lange Insel) liegt zu Land und zu Wasser ein etwa 70 km2 grosser Naturpark. Die dazu gehörende riesige Bucht Telašćica kann nur durch eine zirka 20 m breite und 4 m tiefe Meeresenge zwischen den Inseln Katina und Dugi Otok angefahren und auch wieder verlassen werden. Zu dieser frühen Tageszeit finden wir in dieser Bucht nicht viele Schiffe vor Anker…

 

Toni und mich zieht’s weiter! Nach einer trotz 30grädigem Wasser erfrischenden Badepause motoren wir entlang der Küste zum kleinen Fischerdorf Žman. Nur ein paar Häuschen, ein Fischerhafen mit zwei, drei Anlegestellen für Gastboote, eine Post, ein Einkaufsladen mit dem Wichtigsten und eine Käserei, welche ausschliesslich Ziegenkäse herstellt! Hier dürfen wir beim Abfüllen der gerührten Käsemasse in die Formen zusehen, fotografieren und filmen. Natürlich verlassen wir die Käserei mit einem schönen Stück Geiss-Chäs! Noch ein feiner Espresso in der einzigen Konoba, dann werfen wir die Leinen los und fahren mit Motor gemütlich weiter den zahlreichen kleinen Buchten entlang, dann rüber zur 4 km2 „grossen“ Insel Rava zwischen Jž und Dugi Otok. Die kleine Ortschaft Vela Rava mit 200 Einwohnern wird mit Fähre und Tragflügelboot angefahren!!!

 

Uns lockt die Bucht Paladinica, eine Bucht mit Bojen und ohne Konoba! Das haben wir bisher noch nie entdeckt! Kurz vor 13.00 Uhr machen wir fest und baden ein erstes Mal zwischen vielen neugierigen Fischen im türkisfarbenen Wasser. Zwei Mittelmeermöwen segeln im Gleichklang elegant durch die Lüfte. Grillen und Zikaden konzertieren lautstark und vermiesen den fleissigen Amseln ihr Flöten! Ringsum über den hellen Kalkfelsen säumen Olivenhaine und üppige Macchiabüsche in variantenreichen Grüntönen die stille Bucht! Ein Paradies! (Lina)

 

Sa 15.06.2013: Fast wie Zürichsee Segeln von Murter nach Žut

 

16. Fahrttag (20 sm, 19 sm davon gegen den Wind aufgekreuzt)

 

Žut ist nach Murter die 11. kroatische Insel, welche wir anlaufen, sowie das 9. Mal in diesem Jahr, bei welchem wir den Motor nur für das eigentliche Hafenmanöver brauchen und sonst die ganze Strecke segeln können! Verhältnisse mit denen zu vergleichen auf dem Zürichsee: strahlender Sonnenschein, ein schwacher, etwas drehender Wind in Stärke 1 - 2, nur leicht gekräuseltes Wasser und kreuzen gegen den Wind. Gemütliches Segeln, so wie es Lina am Liebsten hat! Ganz anders als auf dem Zürichsee sind jedoch die unzähligen, kleinen Inseln, an denen wir vorbei segeln und die beiden hübschen Delphine, welche uns ganz kurz begleiten!

 

Nach 15 Uhr erreichen wir die gut geschützte Bucht Hiljača, wo wir an einer Boje nahe der Konoba Vison festmachen. Weil der Wirt verlangt, dass wir das Nachtessen bei ihm einnehmen, verlassen wir die Boje und ankern zwischen den beiden Konobas auf 8 m Tiefe mit 35 m Kette. Bei der Kontrolle des Ankers mit der Taucherbrille entdecke ich ganz in der Nähe zwei Mooringleinen, welche an einem grossen Betonklotz befestigt sind und deren Ende an einem Styroporstück schwimmt. Offensichtlich gehören sie zu einem Ferienhaus, welches zur Zeit noch nicht bewohnt ist. Also Anker auf und ASANA an der Mooringleine festmachen! So verbringen wir eine ganz ruhige Nacht. (Toni)

 

Di 11.06.2013: Rassige Segelpartie von der Insel Žirje nach der Insel Murter

 

15. Fahrttag (29 sm, gegen den NW-Wind aufgekreuzt!)

 

Um 6:30 Uhr reisst mich der Wecker unbarmherzig aus den Träumen. Von Wetterwelt rufe ich sicherheitshalber mit dem Handy ein Wetter-SMS für die Region ab. Innert weniger Sekunden meldet es mir das zu erwartenden Wetter: bewölkt und Regenschauer, Wind NW 3 – 4, dann 4 – 5, Wellen 0,5 m. Wie gestern, also können wir heute starten! Kaffee machen, Lina wecken und gemeinsam nochmals in dieser zauberhaften Bucht im kristallklaren, türkisblauen Wasser schwimmen.

 

Um 8:30 Uhr sind ASANA und wir bereit. Doch genau jetzt geht ein Regenschauer über der Bucht nieder! Dieser ist nach kroatischer Manier schnell vorbei. Im Westen klart es bereits wieder auf, so dass wir kurz nach 9 Uhr die Leine an der Boje loswerfen und auslaufen. Sofort setzen wir die Segel und nach der Durchfahrt zwischen den Inseln Žirje und Mazirina luven wir an, nehmen die Schoten für einen Amwindkurs dicht und kreuzen gegen den Wind von Eiland zu Eiland zwischen den Inseln Žirje und Kakan. Es gleicht dem Aufkreuzen auf dem oberen Zürichsee mit kurzen Schlägen von meistens nicht mehr als einer Seemeile! Acht Wendemanöver fahren wir schliesslich, so viele am gleichen Tag wie noch nie auf unserer Reise auf dem Meer! Der Wind weht zuerst sanft, schläft dazwischen sogar kurz ein. Dies gibt uns Zeit und Gelegenheit, die Küsten der beiden Inseln zu studieren. Gegen 12 Uhr nähern sich uns auf dem Wasser Schaumkronen, ein Zeichen für mich, frühzeitig das erste Reff im Grossegel zu setzen.

 

Um 12:30 Uhr wenden wir vor dem Eiland Samograd, welches bereits zum Kornaten-Archipel gehört. Nun folgt eine Rauschefahrt (sechs Seemeilen in einer Stunde) bei strahlendem Sonnenschein nach der Insel Murter. Der Wind bläst unterdessen mit 5 Beauforts! Das zweite Reff bringt Entlastung ins Rigg, neutrales Verhalten und gute Geschwindigkeit von ASANA, die Lifebelts sicheren Halt für uns. Auch die Wellen haben unterdessen die vorausgesagte durchschnittliche Höhe von gut 0,5 m erreicht. Ab und zu verirren sich einige Salzspritzer auf unsere Sprayhood! Herrliches Segeln!

 

Schneller als geahnt erreichen wir das Leuchtfeuer Prišnjak und biegen in den Kanal von Murter, unserer 10. Insel, ein. Wir bevorzugen die Marina von Betina anzulaufen und nicht die ACI-Marina von Murter. Die Beschreibung im Hafenhandbuch und im Reiseführer spricht uns mehr an. Betina ist ein kleines Fischerdorf neben Murter mit einer 200-jährigen Schiffsbautradition. Die Marina ist überschaubar, eher mit kleineren Booten belegt und daneben ist ein Werftbetrieb mit verschiedenen Werkstätten. Wir hoffen, auch einen Segelmacher zu finden, welcher unsere Fockpersenning reparieren kann, die durch den Hagelschlag Schaden genommen hatte. Vor dem Hafen bergen wir die Segel. Wieder einmal ist es uns gelungen, direkt von der Bucht bis zum Hafen zu segeln und den Motor nur für das eigentliche Manöver zu brauchen! Telefonisch melden wir uns beim Hafenmeister an. Das Anlegemanöver bei starkem Seitenwind klappt dank seiner Mithilfe bestens.

 

Um 15:30 Uhr ist ASANA aufgeräumt und die Gangway montiert. Wir sitzen gemütlich im Cockpit beim Einlaufdrink und lauschen dem Heulen des Tramontanas, der unterdessen die Stärke 6 erreicht hat! Linas Haare sind davon ganz zerzaust! Ein erster Spaziergang durch das Städtchen Betina mit seinen engen Gassen und typischen Steinhäusern und das feine Essen aus Linas Kombüse beschliessen den heutigen Tag. (Toni)

 

08.06.2013: Traumhaftes Segeln durch den Šibeniker Archipel zur Insel Žirje

 

14. Fahrttag (19 sm, davon 18 sm gesegelt): Die heutige Tagesstrecke beträgt in der Luftlinie nur etwa 11 sm. Dies bedeutet, dass wir es am Morgen richtig gemütlich nehmen: letzte Einkäufe, Espresso in der Konoba am Strand und Glace von der netten Verkäuferin. Zurück auf dem Schiff fragt mich der Bootsnachbar, Eigner einer grossen Sunbeam, ob ich Segelklebeband habe, weil seine Genua im Achterliek aufgerissen sei. ASANAs Ersatzteillager hilft wieder einmal aus und ich verdiene mir zwei Flaschen Bier dabei! Nach eigener Aussage sei er seit seiner Geburt mit dem Segeln und Manövrieren auf dem Meer vertraut, doch habe ich auf unserer langen Reise kein Schiff angetroffen, welches so „schluderig“ an Mooring und Quai festgemacht war!

 

Um 11:00 Uhr sind wir bereit. Lina steuert ASANA unter den kritischen Blicken des Nachbarn perfekt von der Quaimauer weg, und gleich nach der Hafenausfahrt setzen wir Segel. Das Meer ist flach wie der Zürichsee und eine leichte Brise aus WNW schiebt ASANA voran. Wehmütig blicken wir auf das hübsche Primošten zurück, in welchem wir uns so wohl gefühlt haben. Wir begegnen einem Frachter, was hier in der Gegend selten passiert. Dass der Wind genau aus der Richtung unseres Ziels weht, stört uns überhaupt nicht. So können wir genussvoll zwischen Inseln und Eiländern des Šibeniker Archipels segeln. Zlarin, Dugo, Komorica, Hr. Vrkljača, Sestrica, Obonjan, Zmajan, Sokol, Mišiak, Kaprije, Kaljak, Kakan, Ravan, Hrbošnjak, Mažirina und Felsformationen ohne Namen ziehen an uns vorbei. Hier spüren wir so richtig die Fallböen im Lee (Windschatten) der Inseln. Die runde Form der Insel lässt den Wind beschleunigen und über die Hinterseite hinunter brausen.

 

Um 13:30 Uhr beschliesse ich zu wenden, um den Kurs Richtung Insel Žirje aufzunehmen. Der Wind nimmt konstant an Stärke zu. Ich überlasse das Wendemanöver Lina. Mit der Selbstwendefock geht dies ja problemlos. Im Unterschied zu bisherigen Manövern von Lina verziehe ich mich aber jetzt in die Kabine, um das Manöver im Logbuch und auf der Seekarte festzuhalten. „Ree“, Lina wendet und ASANA krängt auf dem neuen Bug stark, weil uns gerade jetzt wieder Fallböen treffen. Eine leere Plastikschüssel und ein Plastikbecher fliegen durch die Luft. Ich lehne mich an den Kartentisch, beruhigt zu wissen, dass weiter nichts passieren kann. ASANA ist so sicher! „Was mach i falsch, was mach i falsch?“ ruft Lina! „Nüt, es isch nur de Wind!“ Dieser nimmt weiter zu. Ich entscheide, das 1. Reff zu setzen. Der Wind erreicht Stärke fünf, in Böen sechs. Schaumkronen türmen sich auf, also setze ich gleich noch das zweite Reff. Dies geht problemlos vom Cockpit aus.

 

Nun saust ASANA gut steuerbar bei halbem Wind (Wind von der Seite) mit bis zu 8,6 kn. vom Leuchtturm Rt. Lemes auf Kaprije bis zum Leuchtturm Hr Rasohe der Südspitze von Žirje, der 9. Insel unserer Reise. Dort bergen wir die Segel und fahren in die Ankerbucht Stupica ein. Wie in vielen anderen Buchten in Kroatien hat hier ein Pächter die Konzession für den Betrieb von Bojen. Das Ankern ist dann im Umkreis von 300 m verboten. Dies verunmöglicht vielfach das Ankern! Der Pächter kann Liegegebühren kassieren, ist aber verpflichtet, den Abfall von den Schiffsbesatzungen einzusammeln. Oft betreibt er auch noch eine Konoba. Wir finden diese Lösung gar nicht so schlecht. Die Kontrolle mit der Taucherbrille zeigt mir, dass das Bojentau in Ordnung und an drei schweren Betonklötzen befestigt ist. So können wir, nach dem feinen Essen aus Linas Kombüse, geruhsam schlafen gehen. (Toni)

 

So 02.06.2013: Tolles Amwindsegeln von Maslinica nach Primošten

 

13. Fahrttag (26 sm, 23 sm davon gesegelt): Strahlender Sonnenschein direkt auf Linas Kopf in der Koje verheisst, dass der Entscheid, heute weiter zu segeln, richtig ist! Die Wetterprognose verspricht auch guten Segelwind. Das Frühstück mit Kaffee, Früchten und Nüssen nehmen wir, wie üblich, in der Vorschiffkabine ein. Nachher Waschaktion, ASANA zum Segeln bereitstellen, alle Checks durchziehen, Zwischenverpflegung bereitstellen und Seglerbekleidung anziehen.

 

Die riesige 54-Fuss-Charteryacht mit Skipper, Koch und vier englischen Gästen, welche gestern spät abends noch neben uns an die gleiche Boje gehängt wurde, verlässt die Bucht. Nun können wir um 10 Uhr den Motor starten, die Land- und die Bojenleinen lösen und zum Abschied von Roswitha und Wolfgang noch eine Sonderrunde in der Bucht drehen. Dann steuern wir neben den kleinen Eiländern hindurch das offene Meer an und setzen sofort Segel. Bei einem Westwind in Stärke 3 – 4 segeln wir mit rund 25 Grad Krängung hoch am Wind. ASANA freut sich so richtig, ob der idealen Bedingungen und schneidet den bescheidenen Seegang in Stärke 2 mit 6 bis 6,5 Knoten. Das freut den Skipper natürlich auch! Ab und zu ein kleiner Salzwasserspritzer auf das Vorschiff verleiht dem Ganzen die entsprechende Würze!

 

Wir nutzen den erwarteten leichten Winddreher und wenden um 11:40 Uhr auf Steuerbordbug. Dies bringt uns einen durchschnittlichen Kurs über Grund von rund 40 Grad! Um 13:10 Uhr stellen wir fest, dass wir genügend Reservehöhe am Wind erreicht haben, fallen etwas ab, fieren die Schoten von Gross- und Vorsegel und lösen die Achterstagspannung etwas. ASANA bedankt sich mit einer Beschleunigung bis zu maximal 9 Knoten! Nun wird die Gegend navigatorisch interessant. Die Felseninsel mit dem Leuchtturm Mulo passieren wir backbords, das Gefahrenzeichen „Plič Veli brak“ wie auch das Leuchtfeuer „Plič Peles“ steuerbords, um dann das Kap Rt. Kremik zu runden, damit wir in die Bucht von Primošten einbiegen können.

 

Nun bewegen wir uns in Norddalmatien. Ein imposantes Bild bietet sich uns nun. Die Altstadt von Primošten mit den typischen Steinhäusern erhebt sich stolz auf der Halbinsel. Darunter ist die kleine Quaimauer sichtbar. Dort möchten wir gerne mit ASANA anlegen. Finden wir wohl noch einen Platz? Motor starten. Segel bergen. Anbindetaue und Fender anbringen. Hafen anlaufen. Wir haben Glück und finden einen guten Anlegeplatz. Erstmals seit Dubrovnik legen wir damit wieder am Festland an. Eine Stunde später ist der Hafen voll belegt! Stolz sind wir ob der Bemerkung des Hafenmeisters, dass unser Anlegemanöver perfekt gewesen sei und er es nicht besser machen könnte! (Toni)