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Berichte der ASANA-Crew aus den Regionen Basilicata, Calabria und Puglia

Fr 22.06. – So 24.06.2012: Bei sommerlicher Hitze von der Isola di Dino nach Cetraro und Ankertage in Cetraro

 

30. Fahrttag (26 sm): Es ist Sonntagnachmittag, heiss, praktisch windstill, ich kneife mir einige Male irgendwo hin und versuche, ein paar Sätze über die vergangenen Tage zu schreiben.

 

Freitagmorgen, 28 Grad warm, Luftfeuchtigkeit 68%, windstill! Schon vor 08.00 Uhr lösen wir ASANA von der Boje und starten Richtung Cetraro. Die Hoffnung auf einen Segeltag wird nur zum Teil erfüllt! Um halb elf kommt langsam eine schwache Brise aus SW auf, und wir setzen die Segel. Unsere Freude währt nur kurz, der Wind flaut ab, die Dünung nimmt zu, der Motor läuft mit, und nach 14.00 Uhr sehen wir ein, dass wir die Tücher bergen müssen. Mittlerweile setzt immer höherer Schwell ein, und bei der Badepause rollt ASANA „gfürchig“. Wir sind froh, in Cetraro anzukommen. Hier, im Vorhafen, überrascht uns eine schöne Bucht, dahinter Badestrand, viel Grün und wiederum hohe Felsen und Berge. Der Anker fällt, und glücklich geniessen wir das 28 Grad warme „kühle Nass“! Kurz nachher ankert neben uns der grosse Katamaran „Isatis“. Nach einem üblichen Willkommgruss laden uns Denise und Gilbert aus Frankreich überraschend zu einem Apéro ein. Die beiden sind Langzeitsegler, haben in diesem Jahr bereits Griechenland und die Türkei besucht und sind nun Richtung Spanien unterwegs.  Ich vermute, dass bei Denise ein gewisser Kommunikations-Nachholbedarf besteht, anders kann ich mir die überaus spontane Einladung nicht erklären! Bei jeder solchen Gelegenheit erfahren wir Wissenswertes über Häfen, Ankerplätze, Infrastrukturen usw.

 

Es ist bereits dunkel, als die unter ebenfalls französischer Flagge fahrende ältere Segelyacht „Pulpito“ in der Nähe ihren Anker setzt. Toni und ich sitzen in der Kabine beim Nachtessen, als uns Rufe nach draussen locken. Unser eben eingelaufener Schiffsnachbar sitzt in seinem Beiboot hinter unserem Heck und bietet uns Thunfisch an! Er und seine Frau haben das ca. 40 kg schwere Tier vor zwei Stunden kurz vor der Hafeneinfahrt gefangen und sind froh um jeden Abnehmer. So dürfen wir mindestens 2 kg (!) fangfrischen Thunfisch in Empfang nehmen. Die nächsten Essen sind gesichert! Peter Reber erklärte mir auf meine Frage nach der Verpflegung bei seinem damaligen Besuch auf ASANA: „Wenn’s Bananen gibt, dann gibt’s Bananen, wenn’s Tomaten gibt, dann gibt’s Tomaten!“. Also, wenn’s Thunfisch gibt, dann gibt’s Thunfisch!

 

Der Samstagmorgen zeigt sich bei 27 Grad bedeckt, herrlich! Weil wir neben Thunfisch doch auch noch Brot und Wein brauchen, erwecken wir unser Dinghi “tschiffra“ erstmals auf dieser Reise zum Leben. Wie eine Diva lasse ich mich von Toni gegen Abend in den Hafen rudern! Der Besitzer des ungefähr 500 m entfernten Tante-Emma-Ladens ist ein aufgestellter, fröhlicher Kalabrese. Vor dem Kauf lässt er uns rassigen kalabrischen Salami und Käse degoustieren und schenkt uns eine Portion getrocknete Peperoni samt Rezept in einem für uns Svizzeri gut verständlichen Italienisch! Verrückt: der auf dem Rückweg in einer Bar getrunkene Espresso corretto Grappa kostet gerade je 80 Cents!!! Der von Toni zum Zmittag gegrillte Thunfisch schmeckt wunderbar, die Pasta zum Znacht mit den geschenkten Peperoni nach kalabrischem Rezept ebenfalls.

 

Spät am Abend trifft das Thunfisch-Spender-Ehepaar Guillemette und Pascal zu einem Glas Rotwein auf ASANA ein. Auch wenn ich mit meinem Schulfranzösisch, im Gegensatz zu Toni, längst nicht alles verstehe, ist es doch interessant, ihren Erlebnissen aus allen möglichen Segelrevieren zu lauschen und Erfahrungen mit Langzeitseglern auszutauschen.

 

Vor Anker sein heisst u.a. auch, den schiffseigenen Gasbetrieb wieder aufzunehmen, also beispielsweise das zum Geschirrwaschen benötigte Wasser zu erhitzen und nicht einfach den roten Boiler-Schalter zu kippen. Heute gibt dabei die eine Gasflasche ihren Geist auf! Das von Toni notierte Kaufdatum lautet: Juli 2009!

 

Dichte, teils schwere, dunkle Wolken halten heute Sonntag die Sonne im Zaun. Trotzdem, bei einer Lufttemperatur von schon morgens 26 Grad widmen wir uns heute vor allem dem Baden, Lesen, Schauen, also dem Dolce far niente! (Lina)

 

 

Mo 25.06.2012: Letzter Ankertag in Cetraro

 

Nach einer wiederum extrem ruhigen Ankernacht lösen sich im Laufe des Morgens die Wolken auf. Toni will heute nicht mehr rudern! Wir packen des Elektromotor „Torqeedo“ aus, setzen den Schaft, den Akku und die Pinne zusammen und montieren das Ganze auf „tschiffra“. Im Hui gelangen wir damit durch das glatte Wasser an den Strand und tätigen in den kleinen Läden unsere Einkäufe. Beim feinen Espresso in einem winzigen Beizchen ergibt sich mit dem Wirt ein Gespräch. Er beneidet uns Schweizer um unsere Regierung! Unsere Frage nach den verschiedenen Brandherden oben am Hang, wo sich auch einzelne Häuser befinden, beantwortet er mit: „Brandstifter, Verrückte!“.

 

Nach der Rückkehr zu ASANA dreht Toni nochmals eine Extrarunde mit „tschiffra“ zur Tankstelle und bringt einen gefüllten Dieselkanister für die Fütterung von ASANA mit. Den restlichen Tag vor Anker in Cetraro verbringen wir mit Schwimmen und Nichtstun! Der Barometer zeigt kurzfristig fallende Tendenz; um 23.15 Uhr ist der Himmel bewölkt bei 25 Grad. Wir planen, morgen Dienstag unseren Standort nach Amantea oder, wenn’s gut läuft, sogar nach Tropea zu verlegen, obwohl nur 2 Bf Wind aus NW prophezeit sind. (Lina)

 

 

Di 26.06.2012: Schlussspurt bei Hitze und wenig Wind von Cetraro durch den Golf von Santa Euphemia nach Tropea

 

31. Fahrttag (52 sm): Bereits um 5 Uhr läutet der Wecker. Natürlich möchten wir lieber ausschlafen! Die grosse bevorstehende Strecke und die zu erwartende Hitze animieren uns aber, bereits vor 6 Uhr den Anker zu lichten, Cetraro zu verlassen und den Kurs 182 Grad aufzunehmen. Weil wir um 8 Uhr die Ortschaft Paola passieren, senden wir Paula ein Gruss-SMS. Das Thermometer zeigt jetzt schon 26 Grad an! Ein schwacher Windzug in der Stärke 1 weht von Westen. Bei der leichten Dünung aber zu wenig zum Segeln! So läuft ASANA unter Motor bei halber Fahrt gute 5.5 Knoten. Torrente können wir im Vorbeifahren erkennen. Bereits um 10:30 Uhr erreichen wir die Höhe von Amantea. Dies bedeutet, dass wir in 4 ½ Stunden mit 25.4 Seemeilen die halbe Strecke Richtung Tropea bereits hinter uns gelassen haben. Weil es so gut vorwärts geht, entscheiden wir uns für das Weiterfahren. Achterlich verschwindet die Landschaft um Cetraro langsam im Dunst und vorlich werden Hügelzüge hinter Tropea sichtbar.

 

Bei der Position 39o 03’N 15o55.2‘E sehen wir zwei schwimmende, kurz auftauchende Objekte, welche nordwärts ziehen. Die Distanz ist zu gross und das Auftauchen zu kurz, als dass wir erkennen können, um was es sich handelt. Wir vermuten, dass es zwei Delphine sind. Im Golfo di S. Eufemia frischt der Westwind, unterstützt durch Thermik, etwas auf. So schenkt uns Rasmus doch noch eine kleine Strecke unter Segel! Im Westen lösen sich die markanten Umrisse von Stromboli, im Südwesten die von Sizilien aus dem Dunst. Unterdessen hat es 28 Grad. Dank unserem Kurs Richtung Süden spendet uns die Sprayhood willkommenen Schatten. Einen letzten Badehalt gönnen wir uns vor der Hafeneinfahrt. Jetzt realisieren wir auch, wie stark die Dünung unsere ASANA hin und her schwanken lässt.

 

Um 16:00 Uhr laufen wir nach rund 10 Stunden auf Kurs 182 Grad und 52 zurückgelegten Seemeilen in den Hafen von Tropea ein. Dies ist unsere längste bisherige Tagesstrecke mit ASANA. (Toni)

 

 

ASANA hat nach 927 Seemeilen das Zwischenziel der Saison 2012 erreicht!

 

 

Mi 27.06.2012: Tropea – Hafen- und Geburtstag

 

Es ist ein gutes Gefühl, so frühzeitig am Ziel angelangt zu sein, Zeit zu haben! Dies und jenes gibt es noch zu organisieren. Mit Frau Katia, der netten Mitarbeiterin der Werft, besprechen wir das weitere Vorgehen. Toni hat mir ihr bereits im Februar per E-Mail den Auswasserungstermin auf den Montag, 2. Juli 2012, 09.30 Uhr, vereinbart, und dieser Termin „verhebt“ tatsächlich!

 

Der Ort Tropea sowie die Umgebung sind sehr malerisch! Beim Aufstieg über die rund 200 Stufen vom Hafen ins Städtchen bieten sich herrliche Aussichten; dabei kann sich unser Puls auf unauffällige Weise wieder auf einem normalen Niveau einpegeln!!! Die Wärme setzt uns zu, und jedes kleinste Wölkchen vor der Sonne wird von uns freudig begrüsst! In einem Seitengässchen organisieren wir unsere Heimreise für den Montagabend und fühlen uns mit den Tickets in der Tasche sehr wohl! Zum Z’Nacht an meinem Geburtstag wünsche ich mir weder Fisch noch Fleisch noch Pasta, sondern eine richtige italienische Pizza. Nach dem romantischen Heimweg die 200 Stufen und diversen Winkel runter zum Hafen darf ich sagen: ein rundum geglückter Tag! (Lina)

 

 

Do 28.06.2012: Tropea – Hafen- und Waschtag

 

ASANA wird nun für zwei Monate im Trockenen stehen. Wir nehmen daher früh am Morgen die Fock runter und verstauen sie als passables Paket im Schiff. So können ihr die UV-Strahlen keinen Schaden zufügen.

 

Gott, wie wurde mir warm ums Herz, als vor ein paar Tagen die Eignerin Denise              des Katamarans „Isatis“ beim Apéro erwähnte, der Hafen Tropea verfüge über eine Lavanderia! Zu Hause, da hat man seinen Waschtag oder füllt problemlos nach Bedarf einfach seine Maschine! Auf ASANA fehlt sie eben! Natürlich genügen beim Leben auf dem Schiff im südlichen Sommer einige T-Shirts, Badehosen, etwas „Anständiges“ für Besichtigungen, Spaziergänge und sonstige Aktivitäten und dann selbstverständlich etliche Frottiertücher sowie die Bettwäsche. Mit der Salzluft und dem Salzwasser entwickelt sich nach kurzer Zeit ein eigenartiger, mir unangenehmer Geruch, und die Frottiertücher neigen dazu, von selbst in der Landschaft zu stehen! Da hilft nur eine Waschmaschine. Und ich habe Glück! Zwei praktisch neue und saubere 7-kg-Maschinen in der Sanitäranlage schlucken heute einen Teil unserer seit längerer Zeit gesammelten Wäschestücke. Luft- und sonnengetrocknet auf der von Toni auf ASANA gespannten Wäscheleine kann ich ausser der auf morgen aufgesparten Frottierwäsche alles nach kurzer Zeit in die Schränke und „Schwalbennester“ verstauen.

 

In der Zwischenzeit organisiert Toni 33 l Diesel, um ASANA für die Ruhepause vollzutanken (Verhinderung von Kondenswasser im Tank). Dreiunddreissig Liter! Ein Motorboot ist am Tanken, der Diesel läuft und läuft, die Anzeige zeigt bereits über 1‘000 Euro…

 

Unser Dinghy, die „tschiffra“, will auch wieder verstaut werden. Das heisst: „tschiffra“ aus dem Wasser an Bord vor den Mast nehmen, von Salz und Schmutz befreien, trocknen lassen, Luft rauslassen, auf die richtige Grösse zusammenfalten und dann, unseren Rücken zuliebe, mit Hilfe des Grossfalls heben und an den rechten Platz in der Backskiste „versorgen“. Dies aber erst, nachdem die Backskiste praktisch leer geräumt ist! Alles funktioniert bestens, Langeweile kommt wirklich nie auf! (Lina)

 

 

Fr 29.06.2012: Fahrt von Tropea aus mit Ausflugsschiff nach den liparischen Inseln Panarea und Stromboli

 

Jeden Tag klettert das Thermometer höher! Heute gönnen wir uns eine „Auszeit“! Mit dem Ausflugsschiff „SARA“ besuchen wir zwei der insgesamt sieben liparischen Hauptinseln: Panarea, grün, chic, sehr viele geschmackvolle, gepflegte Liegenschaften von offensichtlich wohlhabenden Besitzern, natürlich jede Menge Boutiquen, Souvenirläden usw. Es ist sehr heiss auf Panarea, und unser Spaziergang in den schmalen Gässchen, immer auf der Suche nach ein wenig Schatten, hält sich in Grenzen. Hingegen weckt die Ankunft eines Fischerboots mit einem über zwei Meter langen gefangenen Schwertfischs unser Interesse. Der Kopf samt Schwert steht bereits an einer Bordwand; einer der Fischer räumt die Innereien aus dem Bauch, ein anderer schneidet den Fisch in Tranchen von etwa 30 cm, der nächste überspült das Ganze immer wieder mit einem Kübel Salzwasser. Der „pesce spada“ ist hier im Süden ein sehr begehrter Speisefisch. Mit unseren begrenzten Italienisch-Kenntnissen dürfen wir hier das gestenreiche und laute Hin und Her zwischen Fischer und Koch über Verkauf und Kauf dieses recht grossen Meeresbewohners mitverfolgen.

 

Dank Fahrtwind geniessen wir die Überfahrt nach Stromboli. Schwarzer Strand, darauf kleine, farbige Fischerboote, dahinter weisse Häuser und noch weiter dahinter der Vulkan, aus dem es immer raucht, der Anblick ist schon speziell! Die Nachmittagshitze ist vorbei, von Kühle noch keine Rede; trotzdem schlendern wir durch diverse Gässchen, weichen leisen Elektroautos aus, kehren in einem anmächeligen Lokal zum Espresso corretto grappa ein. Welch‘ angenehme Überraschung: ein junger, etwa 16järhiger Bursche,  spielt solo auf seiner Violine klassische Werke von verschiedensten Komponisten, absolut professionell. Nur etwa zehn Gäste geniessen seine Darbietungen und bewundern sein Können. Musik für die Seele; auf hoher See stellt sich bei mir da so „noudisnou“ ein Manko ein! Wer hat uns wohl genau in diese Gasse geschoben? Mit viel Freude im Herzen begeben wir uns auf „SARA“, welche die erwartungsvollen Gäste auf die Nordwest-Seite der Insel bringt, zu Sciara del fuoco. Am Himmel leuchtet inzwischen eine kleine Mondsichel und Sterne beginnen zu funkeln. Stromboli by Night! Feuer in die Nacht, Lavaflüsse den Berg hinunter bis ins Meer, zischend, verdampfend! Was für ein Schauspiel, wie klein doch wir Menschlein sind! (Lina)

 

 

Sa 30.06.2012 Tropea - Hafentag - immer heisser . . .

 

Um etwa 01.00 Uhr sind wir heute todmüde und voller Bilder im Kopf in die Koje gekrochen, und immer noch heute, 06.00 Uhr, meldet sich unser Wecker. Es ist, ausser spät abends, die einzig erträgliche Tageszeit, um noch anfallende Arbeiten zu erledigen. Der Reissverschluss der Baumpersenning ist defekt, wir montieren sie ab und versuchen, sie reparieren zu lassen. Zum Schutz des Gross-Segels hieven wir die Blache über den Baum und hoffen, damit auch noch ein bisschen Schutz vor der unbarmherzigen Sonne zu bekommen. Resultat: Schutz fürs Schiff ja, Schutz für uns vor Hitze nein! (Lina)

 

 

So 01.07.2012: Tropea - Hafentag - Rinnen muss der Schweiss . . .

 

Langsam sehnen wir uns nach Kühle, sprich Heimreise! Ja, auch Toni, das freut mich! Sonntag in Kalabrien, kaum ein Unterschied zu einem Werktag ist spürbar! Bei uns sind die letzten Wäschen und sonstigen Arbeiten fällig: Frottiertücher in der Lavanderia, Schiffsdeck und Ankerkasten vom Salz befreien, Totalentleerung und Austrocknung des Wassertanks und so weiter und so fort. Bis um 10.00 Uhr schaffen wir es, uns zu bewegen; nachher rinnt uns der Schweiss samt Sonnenschutzmittel in die Augen und sonst überall hin! Die Maximaltemperaturen bisher: im Salon 35 Grad, draussen 38 Grad! Da gibt es nur noch Sonnenschirm am Strand und Meer. Nach so etwa zehn Minuten bis zum Hals im mindestens 30 Grad warmen Meerwasser stehend fängt bei mir ein angenehmes Frösteln an. Die zwei während des Winters angefutterten Kilos sind leider wieder weggeschmolzen!

 

 

Mo 02.07.2012: Tropea - Auswassern von ASANA

 

Der ersehnte Tag ist da! Kein Lüftchen regt sich um 08.00 Uhr bei der kurzen Fahrt vom Hafenplatz zum Travelift. Mit kleinen Verzögerungen funktioniert alles wunderbar. ASANA ruht nun mit gereinigtem Unterwasser auf einem Bock in der Werft Tropea, Video-überwacht, und wartet auf ihren Einwasserungstermin am 31. August 2012, 09.00 Uhr! Über 40 Jahre hat Toni sämtliche Arbeiten, die mit Aus- und Einwassern zusammenhängen, d.h. Unterwasser mit Hochdruck reinigen, beschädigte Stellen ausbessern oder das ganze Unterwasser abschmirgeln, Untergrund und Farbe auftragen, selbst erledigt. Hier in Italien ist dies aus irgendwelchen versicherungstechnischen und weiss Gott welchen Gründen (???) nicht möglich. Im Klartext: alle notwendigen Arbeiten werden gemäss Absprache durch die Werft erledigt. An uns liegt dann die Bezahlung für diese Dienste, aber auch die Freiheit, kurz vor dem Einwassern anzureisen und, so Gott will, mit einer tip-top vorbereiteten ASANA zu neuen Abenteuern aufzubrechen!

 

Nach dem letzten Nachmittag am Meer und einem feinen Nachtessen sind wir sehr froh über die Buchung im Couchette-Wagen. Über Rom-Tiburtina und Mailand treffen wir am späten Dienstagnachmittag wohlbehalten, zufrieden und glücklich über den „kühlen Empfang in der Schweiz“ zu Hause ein. (Lina)

 

 

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Di 03.07.2012 bis Do 30.08.2012: Sommerpause zu Hause  

 

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Do 30.08./Fr 31.08.2012:Anreise nach Tropea

 

11:00 h: Offensichtlich konnten sich die SBB und die FS nicht über eine Fortsetzung der durchgehenden Verbindung Zürich – Mailand als Nachfolge des Cisalpino einigen. So kommen ein Ersatzzug von Zürich nach Chiasso und nachher der italienische IC (ehem. Cisalpino) zum Einsatz!

16:20 h: tedem-tedem-tedem: Unser „treno notte“ mit unrundem Rad verlässt Mailand mit 10 minütiger Verspätung. 14 Stunden Bahnfahrt stehen uns bevor!

17:00 h: tedem-tedem-tedem: Lina und ich sind im Liegewagenabteil noch allein. Wir essen, richten uns ein und geniessen die Fahrt durch die Lombardei und Toskana.

21:00 h: tedem-tedem-tedem: In der Dunkelheit rast die Landschaft vorbei. Lina ist müde, will unbedingt in die Koje und schlafen gehen! Ich stelle die Leiter für die obere Koje auf. Auf Wunsch von Lina entferne ich sie wieder. Mich stört dies nicht. Ich komme ja locker ohne Leiter rauf und runter!

23:00 h: tedem-tedem-tedem: Ein italienisches Ehepaar ist in Rom in unser Abteil zugestiegen. Sie begutachtet die Koje und redet von Abenteuer! Er versucht krampfhaft seine oben liegende Koje zu erreichen. Dies misslingt! Also krame ich die Leiter wieder unter Linas Koje hervor und montiere sie. Jetzt schafft er knapp den Höhenunterschied! „Mamma mia“, stöhnt er! Lina merkt nichts davon! Sie schläft tief! Ich auch wieder!

01:00 h: tedem-tedem-tedem: „Porco miseria“, tönt es vom Nachbar. Er findet offensichtlich keinen Schlaf und wälzt sich in der knappen Koje herum! Weiter schlafen!

03:00 h: tedem-tedem-tedem: Der Wecker des Nachbars geht schrill los. Er hört ihn aber nicht und ich weiss nicht, was „Wecker“ auf Italienisch heisst! Bis ich ihm über Zeichensprache mein Problem erläutert habe, ist der Wecker ruhig! Weiter schlafen!

05:00 h: tedem-tedem-tedem: „Porco dio“, unser Abteilgenosse steigert sich in seinen Flüchen, als der Zug in Lamezia Terme hält, wo sie aussteigen sollten und nicht bereit sind! Mühsam sammelt er ihre Koffer zusammen und schleppt sie zum Ausgang. Weiter schlafen!

06:00 h: tedem-tedem-tedem: Wir stehen im Gang am Fenster. Die uns wohlbekannte Silhouette von Tropea kommt in Sicht. Wir sind am Ziel und leisten uns ein Taxi ins Zentrum, wo uns der wohlverdiente Kaffee in einer Bar, begleitet von einem Gipfeli, erwartet. (Toni)

 

 

Fr 31.08.2012: Einwassern von ASANA

 

Für mein Gefühl  v i e l  zu früh, nämlich pünktlich um 06.04 Uhr, spuckt uns der treno notte im Morgengrauen auf dem Bahnhof Tropea aus! Ein bereitstehendes Taxi bringt den bereits munteren Toni und die schlaftrunkene Lina mitten ins Städtchen, wo wir die ersten feinen Espressos geniessen. Noch in der Frische des Morgens erreichen wir unsere ASANA, welche uns mit frisch gestrichenem Unterwasser erwartet. Die noch anfallenden Arbeiten zum Einwassern sind recht schnell erledigt, und kurz nach 09.00 Uhr schwimmt ASANA ordnungsgemäss im salzigen Wasser. Kühlschrank, WC, Elektroherd und Wasserversorgung werden in Betrieb genommen sowie Lebensmittel und Getränke eingekauft. Kurz das Bootsdeck von zweimonatigem Staub abspülen und jetzt ein erstes Bad im noch ca. 30 Grad warmen Meer. Der Tag verfliegt im Nu; schon kurz nach 21.00 Uhr sinken wir nudelfertig in unsere Koje! (Lina)

 

 

 

 

 

Sa 01.09. – Mo 03.09.2012: Hafentage in Tropea – Wir sind wieder online!

 

Wiederum strahlende Sonne und Temperaturen um die 30 Grad! Jeweils in den Vormittagsstunden erledigen wir Vorbereitungsarbeiten: Montieren der reparierten Baumpersenning, Anschlagen der Fock und kleinere Instandstellungen. Der erste Versuch der Montage des Ersatz-Displays für den Autopiloten im Cockpit schlägt fehl, keine elektrische Verbindung! Toni muss weiter „hirnen“! In den frühen Abendstunden nach dem nachmittäglichen Badeplausch zieht jeden Abend ein mehr oder weniger heftiges Gewitter vorbei. Eine sehr willkommene kleine Abkühlung!

 

Überraschung am Samstagabend: Philippe und Sissi, ein französisches Ehepaar von einem Nachbarschiff, laden uns spontan zu einem feinen Apéro ein. Und wir wollten doch eigentlich italienisch lernen…

 

Es ist anscheinend so, dass hier im südlichen Italien WiFi (W-LAN) nicht mehr so ohne weiteres vorhanden ist. Auf Anraten von Philippe besorgen wir uns in einem Handy-Laden im Städtchen einen vodafone-Stick für zwei Monate mit 5 GB Datenmenge. Mit diesem sollten wir für die restliche Zeit der Reise in Italien Internet-Zugang haben, sofern Handy-Empfang besteht. Mal sehen! (Lina)

 

 

Di 04.09.2012: Hafen- und Reparaturtag in Tropea

 

1.  Erfolgreiche Reparatur des Tages

Um 08:30, für uns relativ früh, kommt Philippe zu Hilfe für meinen Mastgang. Der Windsensor hängt schief und muss kontrolliert werden. Philippe kurbelt mich im Bootsmannstuhl hinauf, Lina sichert mich zusätzlich, und ich helfe mit Händen und Füssen nach. Nach wenigen Minuten bin ich in rund 16 m Höhe. Die fantastische Aussicht von hier oben kann ich nicht lange geniessen. Ich stelle fest, dass sich der Windgeberteil vom Rohr, an welchem er befestigt ist, gelöst hat! So montiere ich das Ganze ab und lasse mich im Bootsmannstuhl wieder herunterfahren. Die telefonische Empfehlung der Schweizer SIMRAD-Vertretung lautet gleich, wie die von Philippe: Sekundenkleber. Die Reparatur ist wegen der feinen, heraushängenden Kabel heikel, aber sie gelingt uns!

 

2.  Erfolgreiche Reparatur des Tages
Ich montiere alle Anschlüsse am Combi-Display beim Steuerstand für Log, Lot, Windmesser und Autopilot ab und gemäss Schaltplan wieder neu an. Und siehe da, die Geräte funktionieren wieder! Vermutlich habe ich gestern die Anschlüsse verwechselt! Ich bin eben doch ein Büromensch!

3.  Erfolgreiche Reparatur des Tages

Nach unserem traditionellen Nachmittagsbad im Meer stellen wir an Bord von ASANA fest, dass der Kühlschrank seinen „Geist“ aufgegeben hat, und dies bei 30 Grad Lufttemperatur! Keine Anzeige mehr! Kein Geräusch des Kompressors mehr! Nur Strom auf dem Hauptschalter am Panel! Ich schraube die Bedieneinheit ab, um zu messen, ob Strom bis dorthin gelangt. Habe aber Pech, weil es sich um eine geschlossene elektronische Einheit handelt. Also suche ich beim Kompressor weiter, befestige wackelige Anschlüsse besser, behandle sie mit WD40 und schon springt der Kühlschrank zu unserer grossen Freude wieder an!

 

Weil über das nächste Wochenende hier in Tropea ein internationales Jazz-Festival stattfindet, müssen wir, wie auch Philippe und die Eigner eines weiteren französischen Schiffs, umparkieren. Bei einer sturmsicher vertäuten Segelyacht ist dies mit einigem Aufwand verbunden! Wir helfen uns gegenseitig. Auf den anschliessenden, wohlverdienten Apéro und auf das abendliche, abkühlende Gewitter müssen wir nicht lange warten! (Toni)

 

 

Mi 05.09. – Do 06.09.2012: Hafentage in Tropea

 

Ob es wohl die Erfolgserlebnisse des vergangenen Tages sind, denen natürlich eine Entspannung folgte: nach sechs Monaten Ruhe plagen Toni heute Morgen wieder Herzrhythmus-Störungen. Das heisst, momentan pflegen wir die Ruhe, um Tonis Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Danke, Ruedi, für Deine Unterstützung! (Lina)

 

 

Fr 07.09.2012: Hafen- und Badetag in Tropea

 

Toni geht’s heute zum Glück schon wesentlich besser! Daher beschliesst er, das nicht mehr richtig spülende WC zu reparieren, indem er, mit einschalteten Pausen, die Pumpe auseinander nimmt und alle Dichtungen ersetzt. Sogleich teste ich das stille Örtchen, und hurra, es funktioniert wunderbar! Ein kleiner Bummel für den Einkauf von Frischwaren und ein kurzer Besuch am Badestrand sowie einigen Ruhepausen, und schon neigt sich dieser Tag zu Ende! Im Hafen geht es zu und her wie in einem kleineren Bienenhaus! Ein Charterschiff nach dem anderen kehrt von seinem Törn zurück, Russen, Italiener, Deutsche, Franzosen, Engländer. Einige haben bereits ihre Siebensachen gepackt und begeben sich auf die oftmals recht lange Heimreise. Und dies, obwohl für heute Abend im Hafen ein „grande spettacolo auf einem uralten Segelschoner als Bühne angekündigt wurde!

Wir beide hoffen, dass sich Toni’s Zustand weiter so gut verbessert. Wegen der anhaltend unruhigen und stürmischen Wettersituation auf dem Meer hätten wir bis jetzt ohnehin nicht an ein Auslaufen denken können. Jedenfalls bleiben wir über die nächsten Tage bestimmt noch hier im sicheren Hafen des schönen Tropea! (Lina)

 

 

Sa 08.09. – So 09.09.2012: Hafen- und Badetage in Tropea

 

Ich fühle mich wieder ganz gut. So können wir die Tage hier in Tropea geniessen. Am Vormittag und am Abend stehen jeweils Arbeiten an ASANA an, welche wir sehr gemütlich angehen, wie beide Gasflaschen ersetzen, 10 Liter Reservediesel bunkern, das neue Display des Autopiloten installieren, einen vollständigen Beleuchtungstest durchführen und bei zwei Anbindetauen Tacklings erstellen (für Nichtsegler, dies sind Endverstärkungen gegen das Aufdrehen von Tauen). Am Nachmittag liegen wir unter dem Sonnenschirm am Strand und drehen dazwischen eine Runde im 30 Grad warmen Wasser. Allabendlich überrascht Smutje Lina mich mit einem feinen Essen aus der eigenen Kombüse.

 

Da tönt es doch plötzlich vom Steg: „Grüetzi mitenand“. Ganz erstaunt frage ich: „Was machscht Du da“? Erstmals seit wir mit ASANA in Italien unterwegs sind, hören wir jemanden Zürich-Deutsch sprechen! Es stellt sich heraus, dass Patrick, zusammen mit Heini sowie Sepp und Charlotte, welche wir als Zürichsee-Segler kennen, von Tropea aus eine Segelyacht gechartert haben. Zusammen nehmen wir für Einkäufe im Zentrum ein Taxi. Am Sonntagnachmittag verlässt die Crew Tropea Richtung Scilla.

 

Schon wieder Schweizer-Deutsch von der Hafenmole! Bald darauf sitzen Ruedi und Margrit aus Zurzach bei uns im Cockpit zu einem Gläschen Wein. Die beiden besuchen Tropea bereits seit vielen Jahren und kennen sich gut aus in Kalabrien. Beim unterhaltsamen Schwatz vergehen die Abendstunden im Nu! (Toni)

 

 

Mo 10.09.2012: Letzter Hafen- und Badetag in Tropea

 

Wehmütig entschliessen wir uns, morgen diesen schönen Ort Richtung Scilla und Reggio di Calabria zu verlassen. Wir verabschieden uns vom Strassenladen mit letzten Einkäufen und einem Kaffee, vom glitzernden Sandstrand mit kurzlebigen Spuren, von der Strandbar „Lido del Nonno“ mit einem Prosecco, von der Aussicht auf die imposante Altstadt mit einem bewundernden Blick, von der Capitaneria und den vielen freundlichen Kalabresen mit einem herzlichen „molto grazie“. Zum dritten Mal innert zwei Tagen treffen wir in Tropea Deutschschweizer, Salvatore und Caterina, ein italienisch-schweizerisches Ehepaar, welches die Flitterwochen hier verbringt. Lina nutzt noch die Gelegenheit und wäscht in der Lavanderia. Beim dritten Anlauf funktioniert die Maschine endlich richtig! Trotz verschiedenster Farben ist die Wäsche nicht verfärbt!

 

ASANA wird soweit bereitgestellt, dass wir morgen ohne grossen Aufwand auslaufen können. (Toni)

 

 

Nachtrag vom 06.11.2012: Die Zeitschrift YACHT meldet:

 

„Marina Tropea versinkt im Chaos!

 

Die Gemeinde habe der Porto di Tropea S.A.P. die Konzession für den Betrieb entzogen. Der Hafenbetrieb sei seit dem 15. September (4 Tage nach unserer Abreise) eingestellt worden! Es gebe keine Wasser- oder Stromversorgung, die Sanitäranlagen seien geschlossen, Service und Kranen seien nicht möglich und die Marina wird nicht einmal mehr bewacht. In der Folge soll es zu ersten Fällen von Vandalismus in der Anlage und Diebstählen auf Schiffen gekommen sein.“

 

Uff! Da hatten wir aber wirklich Glück! Was wäre geschehen, wenn unsere ASANA zu diesem Zeitpunkt noch in der Werft am Trockenen gestanden hätte?

 

 

Di 11.09.2012: Herrliches Segeln von Tropea nach Scilla

 

Heute wollen wir auslaufen! Vorher um 09.00 Uhr sollte ein Mitarbeiter der Sunsail eintreffen, um Toni zum zweiten Mastgang raufzuziehen. In luftiger Höhe müsste der von Toni reparierte Windsensor wieder montiert werden. Die Hilfe trifft bis 10.30 Uhr nicht ein, wir laufen aus! Nach gut zwei Stunden unter Motor können wir bei 2 – 3 Bf. erstmals nach langer Zeit wieder Segel setzen. Gemütlich gleiten wir der abwechslungsreichen kalabrischen Küste entlang, und um 16.25 Uhr liegen wir fest an einer Boje in Scilla. Das pittoreske Städtchen, direkt ans Wasser und den ganzen Hang hinauf gebaut, zieht uns an. Das im Liegegeld enthaltene angebotene Bootstaxi macht uns die Überfahrt leicht. Über unzählige Treppen und Gässchen erreichen wir die Anhöhe mit herrlichen Ausblicken, u.a. auch auf die Insel Sizilien! In der Dunkelheit bringt uns das Bootstaxi wieder zurück zur schaukelnden ASANA. (Lina)

 

 

Mi 12.09.2012: Spannendes Segeln durch die Strasse von Messina

 

Die für heute geplante Route ist nur kurz, 14 sm bis Reggio di Calabria. Dennoch starten wir um 09.40 Uhr, um 10.00 Uhr setzen wir das Gross-Segel zur Unterstützung, um 10.30 Uhr auch die Fock, und nehmen Kurs auf zur Strasse von Messina. Ich sehe dieser Passage mit Respekt entgegen, habe ich doch schauerliche Geschichten gelesen von Strudeln, starken Strömungen und möglichen Fallböen. 1 -2 Knoten Strömung zeigt unser GPS an, mal von vorne, mal von hinten. Auch leichte Strudel und mässige Böen können uns die Freude nicht verderben! Heute ist uns das Schicksal hold! Es wird eine herrliche, rassige Fahrt, und ich bedaure es, dass wir schon um 12.00 Uhr die Segel bergen und in den Hafen von Reggio di Calabria einlaufen. Es ist kein beschaulicher, schöner Ort; hinter der Hafenmauer lauter Fährbetrieb, auf der anderen Seite der Bahnhof S. Caterina und mehrere lärmige Strassen! Sobald Toni W-LAN-Empfang hat, studieren wir die morgigen Wetteraussichten und beschliessen, zu nachtschlafener Zeit, um 04.00 Uhr, zu den 60 sm nach Roccella Ionica aufzubrechen. 60 sm deshalb, weil der einzige Hafen auf dieser Strecke komplett versandet ist! (Lina)

 

 

Do 13.09.2012: 1. Nachtschlag von Reggio di Calabria aus und stürmische Ankunft in Roccella Jonica

 

Eine Lerche bin ich definitiv nicht! Mit viel Mühle und unter Stöhnen krieche ich kurz nach 03.00 Uhr aus der Koje. Nun Fender verstauen, Anlegetaue mit Federn und Ketten abmontieren und zuletzt die Gangway in die Backskiste packen! Aus dem hell beleuchteten Hafen fahren wir hinaus auf das dunkle Meer. Sehe ich dort rechts ein Licht? Und dort links, sind das drei Lichtlein? Das A.I.S. gibt Auskunft: nach einiger Zeit gleitet erst majestätisch ein prachtvoll illuminierter Kreuzfahrer und dann ein Frachter mit seiner vorgeschriebenen Minimalbeleuchtung (die drei Lichtlein!) an uns vorüber! Mit frohem Herzen begrüsse ich die Morgendämmerung. Bald schon können wir Segel setzen; über den Verlauf dieses Segeltages berichtet unten Toni. Im Laufe des Nachmittags erfordern teils böiger Wind und Wellen aus verschiedenen Richtungen hohe Konzentration am Steuer. Ich hab’s eben noch nicht so im Gefühl wie Toni, doch auch er ist nach 70 sm glücklich, noch rechtzeitig vor den nahenden Gewitterböen in den schützenden Hafen von Roccella Jonica einzulaufen, wo deutsche und französische Segler spontan und hilfsbereit beim Anlegemanöver mit anpacken. Danke, merci! (Lina)

 

Zur Ergänzung noch einige navigatorische Daten aus dem Logbuch:

04:10 h: Ablegen und auslaufen. Kurs Süd (zuerst 220o dann 183o).

05:00 h: GPS zeigt regelmässig 1 – 2 Knoten Strom mal von vorne, mal von hinten.

06:00 h: Überqueren 38. Breitengrad und gehen auf Kurs 150.

07.00 h: Capo del Armi querab. Ätna im Dunst sichtbar, Sonne geht auf. Ein grosser Zweimaster kreuzt uns.

07:30 h: Landwind 2 – 3 aus Ost. Wir setzen Gross und Fock und stellen Motor ab.

09:00 h: Kurs Ost (90o) Wind dreht herum. Landwind, jetzt aus Nord kämpft noch gegen ankommenden SW-Wind. Bis 09:50 h unterstützen wir die Fahrt mit Motor.

10:13 h: Mit dem Runden des Capo Spartivento hat ASANA den südlichsten Punkt (37o 54‘ N / 16o 03.8 E) der diesjährigen Reise erreicht. Wir genehmigen uns ein Cüpli. Der SW-Wind hat unterdessen auf 3 – 4 Bft. aufgefrischt. Wellen in der Höhe von 0.5 – 1 m bauen sich auf.

12:00 h: Capo Bruzzano querab. Gute Windstärke 4 und Wellen mind. 1 m. Setzen ein Reff ins Gross.

13:00 h: Rollen die Fock ein. Sie schlägt trotz Barberholer zu sehr. Q-Wende bei Position 38o 5.6‘ N / 16o 10.4 E.

14:00 h: Wind dreht auf S und frischt auf Stärke 5 auf. Wellen 1.5 m. Können Fock wieder ausrollen. ASANA gleitet mit bis zu 10.6 Knoten die Wellen hinunter! Was für ein Segelspass! Das Steuern erfordert hohe Konzentration.

15:30 h: Wind dreht wieder auf SW. Q-Wende bei Position 38o 15.3 N / 16o 26.6 E. Roccella Jonica liegt nur noch 4.5 sm vor uns.

16:15 h: Segel bergen vor dem Hafen. Die Einfahrt mit den vorgelagerten Sandbänken ist tückisch. Meine Anfrage bei der Guardia Costeria wird positiv beantwortet. Wir können einlaufen. Gashebel runter, „Augen zu“ und über die kleinen Brechen sausen!

16:30 h: Glücklich atmen wir im sicheren Hafen auf.

17:00 h: ASANA ist gut vertäut am Schwimmsteg.

Zurückgelegte Distanz heute 70 sm, davon 44 sm gesegelt und 26 sm mit Motor. (Toni)

 

 

Fr 14.09.2012: Arbeitsreicher Sturm- und Hafentag in Roccella Jonica

 

Im Laufe des Vormittags trifft der angekündigte Sturm aus SW ein. Wir bringen eine Mittel- und Vorspring an, stellen wenig später fest, dass der Nachbarsteg beschädigt ist. Bei diesem Wind möchten wir nicht umparkieren; also sichert Toni den Steg mit unserer Ankerleine. So ein Sturm im Hafen hat auch sein Gutes! Berichte schreiben, Homepage aktualisieren, Fotos bearbeiten, während ASANA krängt und der Wind durch die Wanten heult!

 

Gegen Abend sind Inge und Richard vom Katamaran Sabaidee bei uns zu Gast zum Apéro. Die beiden sind weitgereiste und interessante Menschen, und so geht uns der Gesprächsstoff nicht aus! (Lina)

 

 

Sa 15.09.2012: Hafentag in Rocella Jonica

 

Der Sturm legt sich in der Nacht, die hohen Wellen halten sich natürlich noch länger. Eine Charter-Segelyacht läuft aus; alle Langzeitsegler drücken ihr die Daumen, denn die brechenden Wellen in der Hafenausfahrt sind „gfürchig“!

Nun gibt’s auf ASANA Action: die beiden französischen Bootsnachbarn Denis und Emanuel kurbeln Toni hoch in den Mast, wo er den geflickten Windsensor wieder anbringt. Die Aussicht da oben soll atemberaubend sein!

Das für den Einkauf gemietete Dreirad-Velo mit grossem Korb verlangt eine ganz besondere Fahrtechnik. Ich lehne mich nach links, das Vehikel fährt einen engen Bogen nach rechts! Toni gelingt’s nach einigem Üben ganz gut; so besorgt er mit dem Gefährt gleich noch 10 Liter Reservediesel.

Im Gegensatz zu Tropea wird hier am Steg ausdrücklich Trinkwasser angeboten. Den noch halbvollen Wassertank aus Tropea benutzen wir, um Salz und Dreck von ASANA zu waschen. Auch für eine kleine Handwäsche reicht das völlig aus. Es dauert rund ¾ Stunden, bis 240 lt frisches Wasser in den Tank eingeflossen sind.

Heute Abend sind wir bei Inge und Richard zum Apéro eingeladen. Wir sprechen über Gott und die Welt, und erst um 22.30 Uhr kehren wir zu einem ganz kleinen Znacht auf ASANA zurück. (Lina)

So 16.09. – Mo 17.09.2012: Ankunft von Beni / Hafentage in Rocella Jonica

 

Heute Sonntag mieten Toni und ich „normale“ Velos, radeln gemütlich den Strand entlang ins Städtchen Roccella Jonica. Welche Diskrepanz: eine sehr grosszügige Strandpromenade mit breiter Strasse, breitem Fussgänger- und ebenso breitem Fahrradstreifen, daneben sehr einfache Gebäude, Häuser, teils zerfallen, vielfach düster, ärmlich. Die schweren Wolken wollen ihren Inhalt endlich loswerden, es fängt an, zu regnen. Unter verschiedenen Balkonen finden wir Schutz und erreichen schlussendlich unter Sonnenschein unsere ASANA wieder Juhuiii, kurz nach 18.00 Uhr trifft Beni ein! Er wird uns während der längeren Fahrten bis Dienstag, 25.09.2012, begleiten und vor allem unterstützen. Wir freuen uns sehr über Beni’s Ankunft und stossen mit einem Cüpli auf die kommenden Tage an! Nach einem Risotto mit Meeresfrüchten und Konsultation der Wettervorhersage beschliessen wir, erst in der Nacht von Montag auf Dienstag aufzubrechen.

 

Also liegt am Montag ein Hafentag vor uns. Beni und Toni bereiten die Navigation für den morgigen Törn vor. Zu dritt erkunden wir am Nachmittag nochmals per Velo das Städtchen. Beim Bewundern eines rundum mit Blumen und Pflanzen geschmückten Hauses lädt uns der Besitzer ein, seine Wohnungen, welche er an Feriengäste vermietet, zu besichtigen. Er bietet uns eisgekühlten Limoncello, Dolce und Bergamotte-Getränke an und ruft seine Tochter, welche Englisch und Deutsch studiert und uns dadurch vieles näher erklären kann. Mit einer spontanen Umarmung verabschieden sich die beiden von uns, ebenso wie der Vermieter der Velos. Immer wieder staunen wir über die Herzlichkeit der hiesigen Menschen! (Lina)

 

 

Di 18.09.2012: 2. Nachtschlag durch den berüchtigten Golf von Sqillace von Rocella Jonica nach Crotone

 

Tages-Skipper ist heute Beni, Toni Navigator. Pünktlich um 3.00 Uhr laufen wir bei ruhiger See aus, und bereits um 03.50 Uhr setzen Beni und Toni die Segel. Von all dem bekomme ich nichts mit, weil mir die beiden grosszügig einen Nachschlaf gewähren. Bei bewegter See im Golf von Sqillace, bei Seglern „Sqillace, der Mistkerl“ genannt, versagt die Halterung des Salontischs bei einem von Toni’s regelmässigen Logbucheinträgen ihren Dienst und kippt müde auf die Steuerbordseite gegen die Sitzbank!!! Nach fünf Stunden herrlichstem Segeln macht sich der Wind leise davon; wir rollen die Fock ein, starten den Motor und nutzen das Gross-Segel zur Stabilisation. Beim Capo Rizzuto querab bergen wir auch dieses. Erstmals in diesem Jahr kreuzen wir eine Segelyacht unter Schweizer Flagge! Glücklich laufen wir nach 11 ½ Stunden und 64 zurückgelegten sm, davon 29 unter Segel, vorbei an den vier eindrücklichen Gasbohrinseln in den Hafen von Crotone ein.

 

Noch ein kurzer Abschiedsapéro bei Richard und Inge, welche morgen hier in Crotone ihren Katamaran auswassern und nach Hause fahren! Auf ASANA ein kleines Nachtessen und letzte Vorbereitungsarbeiten für den Start morgen um ca. 04.00 Uhr nach Santa Maria di Leuca, dann ab in die Kojen! (Lina)

 

 

 

Mi 19.09.2012: 3. Nachtschlag durch den bei Seglern gefürchteten Golf von Taranto von Crotone nach Santa Maria di Leuca

 

Heute ist Toni Skipper, Beni Navigator. Nach vorgängigem intensivem Wetterstudium entscheiden wir uns, die von vielen Seglern gefürchtete Fahrt durch den Golf von Taranto unter den Kiel zu nehmen. Nach dem „Abnabeln“, d.h. Verstauen der Gangway, werfen wir um 03.55 Uhr die Leinen los und starten bei ruhiger See in die sternenklare Nacht. Ein wunderbarer Sonnenaufgang lässt uns wieder mal staunen über die Schöpfung! Kurz vor 10 Uhr „lädt die See zum Bade“, die Wassertiefe von über 2‘000 m lässt uns an die vielfältigen Lebewesen denken, welche auch in dieser Tiefe und Dunkelheit existieren können. Nun frischt der Wind auf, und wir setzen das Gross und den Gennaker. Um 13.00 Uhr wechselt die Windrichtung; wir bergen den Gennaker und setzen die Fock. Delphine, Delphine! Drei Mal ziehen sie in unsere Nähe, lassen uns ihre spielerische Art bewundern, ihr Gleiten auf unserer Bugwelle! Danke für dieses grosse Geschenk!

Heute Mittwoch überqueren wir unter Segel den 18. Lägengrad und erreichen wir zusammen mit Beni den südöstlichsten Punkt von Italien und unserer Reise, das Capo Santa Maria di Leuca. ASANA zeigt nun einen Logstand an von 1500 sm auf dem Meer! Der Wind hält durch; erst vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel. Um 17.55 Uhr liegt ASANA nach 75 zurückgelegten sm (39 sm unter Segel) und nach über 14 Stunden vertäut im sicheren Hafen von Santa Maria di Leuca. Bei feinen „Ziger-Höräli“, von Beni mit viel Liebe zubereitet, lassen wir den herrlichen Tag nochmals Revue passieren… (Lina)

 

 

Do 20.09.2012: 1. Hafentag in Santa Maria di Leuca

 

Beni ist nach zwei kurzen Nächten schon früh auf den Beinen und erkundet das Städtchen im Morgenlicht. Toni und ich brauchen etwas länger, um unsere Batterien wieder aufzuladen. Nach den Einkäufen wird ASANA vom Salz befreit; Beni und Toni bringen dem Salontisch wieder seine Funktion bei, er steht wieder da wie eh und je (Danke, Beni!). Der angekündigte Starkwind mit 6 – 7 Bf. aus NNW klärt die Luft. Bei sehr angenehmen Temperaturen schlendern wir durch Santa Maria di Leuca, gönnen uns feine Gelati und Espressi, suchen und finden in einem Nautic-Shop Gastflaggen von Griechenland Albanien und Montenegro. Während Toni und ich uns mit Fotobearbeitung und Schreiben beschäftigen, wird Beni in der Kombüse kreativ und verwöhnt uns mit gebratenen Peperone mit Knoblauch zur Vorspeise, Gorgonzola-Polenta und Ratatouille nach italienischer Art, mmhhh! (Lina)

 

 

Fr 21.09.2012: 2. Hafentag in Santa Maria di Leuca

 

Nach einer ruhigen Nacht fängt heute Morgen der Wind in den Wanten wieder an zu singen (mein Ausdruck dafür ist „heulen“!). Die Luft ist klar und kühl, ein neuer Tag beginnt! Auch ein neues Leben hat gestern begonnen! Wir gratulieren Patrick und Alexandra ganz herzlich zur Geburt von Janis!

Für uns stehen verschiedene Arbeiten an: Kühlschrank abtauen, Einkäufe in diversen Geschäften (diverse, weil Ende Saison viele Gestelle vor Leere gähnen!), Diesel auffüllen, Navigation für die morgen früh geplante Überfahrt nach der Insel Othonoi kontrollieren, Wettervorhersagen konsultieren, ein letzter Spaziergang zum Leuchtturm und ASANA für den Start in der Dunkelheit bereitstellen. Zusammen mit Kaffeetante Beni bleibt genügend Zeit, um zwischendurch die letzten italienischen Espressi zu geniessen! (Lina)

 

Über die Seitennavigation findest Du die zurückgelegten Routen sowie weitere Berichte, Fotos und Videos.