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Berichte aus Montenegro 2013

Fr/Sa 22./23.03.2013: Anreise nach Bar

 

Bereits um 06.15 Uhr besteigen wir die S-Bahn Richtung Zürich und dort den Intercity nach Mailand, wo wir um 11.15 Uhr mit ¼ Std. Verspätung eintreffen. Dies reicht, um den FrecciaBianca zu besteigen. Piacenza, Parma, Modena und Bologna ziehen am Fenster vorbei. Bei Rimini öffnet sich der Blick auf die Weite der Adria und dann rast der Zug Richtung Süden, vorbei an Pesaro, Ancona, Pescara, Ortona und Termoli. Badeorte, welche noch voll im Winterschlaf sind! Spaziergänger säumen die Strände. Die Natur wird grüner, ab und zu blüht ein Baum, drei Segelschiffe kreuzen beim leichten Südwind. Das lange Sitzen strengt an. Ab und zu quetschen wir uns zum Liegen zurecht. Dann, um 19:45 Uhr fährt der Zug in Bari ein. Es ist bereit dunkel. Der Taxifahrer erkundigt sich bei einem Kollegen, wo die Agentur der Montenegro-Line wohl zu finden ist. Dort angekommen stellt sich heraus, dass eine falsche Angabe auf unserem Ticket ist. Der Shuttlebus bringt uns in die hinterste Ecke des Hafens, wo die Passagiere Richtung Albanien und Montenegro einchecken müssen! Dann wieder zurück zum Terminal, wo wir vor dem Einsteigen eine feine Pasta geniessen. Auf der alten Fähre „Sveti Stefan“ beziehen wir unsere bescheidene Kabine und schlafen bestens während der ruhigen Überfahrt. Bei schönstem Sonnenschein begrüsst uns Bar und auch die Hafenpolizei, welche unsere Rückkehr im Pass bemerkt. Am Zoll befürchte ich Schwierigkeiten mit unserer mitgeführten Ausrüstung (Notebook, GPS, 2 Displays der Bordelektronik usw.). Doch die Zöllnerin fragt nur nach dem Inhalt von Rucksack und Taschen. Ich erkläre ihr unsere Situation und dass unser Gepäck vor allem aus Navigationsunterlagen für das Schiff bestehe. Sie fragt kurz nach dem Schiffsnamen und „ASANA“ öffnet uns unkontrolliert den Weg nach Montenegro. Strahlend kommt uns Taxifahrer Milan entgegen. Wir umarmen uns wie alte Freunde. Zuerst wollen wir natürlich ASANA sehen. Sie steht, wie wir sie verlassen haben, sicher aufgepallt neben den Kriegsschiffen von Montenegro. Bojana vom Marinesekretariat erzählt stolz, dass unsere Farbe eingetroffen sei. Dann geht die Fahrt mit Milan zum Begrüssungskaffee bei Saša  mit ihren 10 Katzen. Das gleiche Zimmer wie im Herbst wird uns im Haus von Ljubica zugewiesen. Wir fühlen uns sofort wieder wie zu Hause und geniessen die warme Sonne auf der Terrasse. (Toni)

 

 

So/Mo 24./25.03.2013: Erschreckende Armut hier in Montenegro

 

Bereits auf der Zugsfahrt Richtung Süditalien mehrten sich die Anzeichen der grossen Armut bei der Bevölkerung in den Südländern, und erst recht hier in Montenegro: Ärmliche, verlotterte Wohnhäuser, nur wenige neuere Häuser sind fertiggestellt, z.T. wird in Baracken ohne feste Fenster gewohnt, Bettler im Zug und auf der Strasse, sogar Kinder, welche uns die hohle Hand entgegenhalten! Streunende Hunde, Männer und Frauen wühlen in Abfällen auf der Suche nach Braubarem! Lina hat ein schlechtes Gewissen, möchte allen helfen, aber dies ist für uns unmöglich! Wo soll man die Grenze der zumutbaren Hilfe ziehen?

 

Ich glaube, dass wir, die „reichen“ Westi’s, am besten helfen können, indem wir der Bevölkerung Knowhow und Arbeit bringen. Wir mieten bei ihnen ein Zimmer, kaufen in ihren Läden, trinken in ihren Bars, essen in ihren Restaurants und lassen das Schiff mittels unserer Beratung durch sie für die Saison bereitstellen. Auf Schritt und Tritt sehen wir, dass das Geld an allen Ecken und Enden fehlt! Die Kommune hat kein Geld für die Abfallbeseitigung, für Reparaturen an Strassen, Stränden und Kanalisationen.

 

Unsere Hausmeisterin Ljubica hat, vermutlich voller Zukunftshoffnungen nach dem Umschwung aus dem kommunistischen System, ein schönes Haus mit Gästezimmern gebaut. Der Krieg in den 90er Jahren und nun die weltweite Wirtschaftskrise haben sie hart getroffen. Touristen bleiben weg. Das wenige Geld, welches eingenommen wird, reicht kaum für den Lebensunterhalt, geschweige denn dazu, in den Erhalt der Liegenschaft zu investieren! Die Einrichtungen sind überaltert, durch die Touristen verschlissen. Türen, Schlösser und Fenster klemmen. Elektrisch-Installationen würden keiner Schweizer Prüfung standhalten! Ausgebrochene Verschlüsse von Fenstern sind notdürftig mit Haushaltspapier verstopft! Der Wind pfeift durch die Ritzen! Zum Glück funktionieren Kühlschrank und Kochherd in der Küche sowie die Heizung im Zimmer, sonst müssten wir uns nach einer anderen Bleibe umsehen!

 

Aber sowohl Ljubica wie auch Milan und Saša vom Nachbarhaus überhäufen uns mit ihrer Herzlichkeit. Soeben haben wir als Nachtessen die zweite Hälfte vom Samstagabendmenü im Restaurant Voda u Kršu, welche uns der Kellner mitgegeben hat, und feines Gebäck von Ljubica zum Dessert genossen. Übrigens, ein feines und für uns sehr günstiges Restaurant hier (Riesige Menüplatte mit einheimischen Spezialitäten für 2 Personen für € 25.00), aber wir waren die einzigen Gäste am Samstagabend! Ich bin überzeugt, dass ausländische Hilfe in Form von Investitoren, welche das Land noch mehr in Schulden hinein manövrieren, die Lage für die Bevölkerung nur verschlimmern würde! Neureiche Russen bestimmen hier immer mehr! Mir graut vor der Zukunft von Montenegro! (Toni)

 

 

Di/Mi 26./27.03.2013: Erste Arbeiten auf ASANA

 

Nach einem regnerischen, grauen Morgen am Dienstag raffen wir uns nachmittags auf, auf ASANA einige erste Arbeiten zu erledigen: Revision WC, Heizung in Betrieb nehmen, einige kleine Polierarbeiten an besonders exponierten Stellen der Bordwand usw. Unser einfaches Znacht: Penne alla rabiata, zubereitet in der kleinen Küche in Ljubicas Haus. Von Walti erhalten wir heimatliche Bilder mit dem verschneiten Freienbach!

 

Heute Mittwoch-Morgen hält es Toni nicht lange im warmen Bett! Marjan, der Marina-Arbeiter, hat gestern versprochen, heute Morgen das Unterwasser für den Antifouling-Anstrich vorzubereiten, und dies will Toni nicht verpassen! Um 10.00 Uhr ist aber noch nichts passiert, Marjan befindet sich andernorts! Na ja, wir beide haben ja auch noch einiges zu schaffen hier: Toni lädt zig Akkus auf, erledigt den Motoren-Service (Impeller und Dieselfeinfilter wechseln, Motor entlüften etc.), kontrolliert etwa 1‘000 (!!!?) Schrauben sowie alle See-Ventile; ich wasche mit einem Wundermittel und viel Erfolg die ganze Bordwand, dass es eine Freude ist! Eigentlich sind alle Arbeiten, welche irgendwie mit Wasser- und Elektrischverbrauch zusammenhängen, dem Marina-Personal vorbehalten. Irgendwo sehen wir hier aber Grenzen, vor allem im finanziellen Bereich!

 

Ganz langsam nach dem Mittag erfreut uns wieder warmer Sonnenschein! Der Abend zeigt sich sternenklar und für meine Verhältnisse mit 12 Grad relativ kühl. In unserem kleinen Zimmer schnurrt die Heizung wohlig warm! Von Irène aus Schaffhausen vernehmen wir von – 1 Grad, brrrr!

 

Marjan verspricht uns im Laufe des Nachmittags, MORGEN das Unterwasser zu waschen, zu grundieren und zu malen! Mal sehen, was da wirklich kommt! (Lina)

 

 

Do 28.03.2013: ASANA glänzt wieder in der Marina Sveti Nikola

 

Der verrückte Hahn kräht wieder, es ist halb acht, Tagwache auch für uns! Toni will rechtzeitig bei ASANA sein und sehen, ob bereits etwas gelaufen ist. Es ist!!!

 

Das Unterwasser ist gewaschen, die Farbschadstellen sind geprimert, die Silikonfuge im Heck erneuert, juhuiii! Toni instruiert den Marina-Mitarbeiter über den Umgang mit VC17m Extra. Diese Unterwasserfarbe ist hier in Montenegro unbekannt. ASANA braucht aber genau dieses Produkt (DHL sei Dank!), damit sie mit dem gleichen Farb-Typ im Spätherbst wieder im Zürichsee schwimmen kann.

 

Glücklicherweise befinden sich in unserem Inventar passende Anoden zu Kiel und Propeller, sodass sie durch den Mechaniker nur ausgewechselt werden können.

 

Mitten im Nachmittag glänzt ASANAs Bordwand fast wie neu! Und wir zwei sind hundemüde, spüren Nacken und Rücken und geniessen in Ruhe einige warme Sonnenstrahlen.

 

Es fehlt nicht mehr viel, dann könnte ASANA eingewassert werden. Die Wettervorhersagen für die folgenden Ostertage sind aber schlecht wie in der Schweiz, nur hier ist’s zum Glück doch ein wenig wärmer. Wir warten also mit dem Einwassern noch zu, erledigen gemütlich die restlichen Arbeiten, pflegen zwischendurch wieder mal das süsse Nichtstun, oder wir reisen ins Landesinnere. Wir haben Zeit!

 

So langsam freuen wir uns aufs Nachtessen. Unsere Zimmervermieterin Ljubica hat uns gestern einen Topf mit Kabiswickeln & Co. in die Küche gestellt! Hvala, Ljubica! (Lina)

 

 

Fr 29.03.2013: Karfreitag auf der Post in Bar

 

Ein Karfreitag, der für die Montenegriner nicht wie ein Karfreitag bei uns ist! Sondern ein normaler Arbeitstag! Draussen regnet es in Strömen, und in der Schweiz schneit es! Also tüchtig ausschlafen, genüsslich den Mittagsbrunch einnehmen und nachher bei trockenem Himmel gemütlich zur Marina Sveti Nikola spazieren. Etwa ein halbe Stunde Fussweg.

 

ASANA glänzt neben den anderen zum Teil vergammelten Yachten! Wir steigen über die Leiter an Bord und erledigen einige kleinere Arbeiten in der Kabine. Die schiffseigene Wetterstation nehme ich wieder in Betrieb. Sie zeigt Sonne, Wolken und 16 Grad an. Schön, ein bisschen wärmer als in der Schweiz, wo heute 2 – 3 Grad gemessen werden! Das Navtex funktioniert auch wieder und empfängt über 490kHz und 518kHz Schifffahrts- und Wettermeldungen von Split, Triest und vielen anderen Küstensendern.

 

Ansichtskarten in einem Geschäft in Bar zu erhalten ist sehr schwierig! Noch schwieriger, Briefmarken zu kaufen! Aber die Hauptpost zu finden eine reine Detektivsarbeit! Dank Unterstützung einer Passantin, welche vor 40 Jahren einen Deutschkurs in Kotor besucht hat, gelingt uns auch dies! Das Innere des Postgebäudes, ein kreisrunder Betonbau, erinnert mit seiner Gestaltung und dem Verhalten der Beamten ganz an den Bürokratismus kommunistischer Zeiten! Von vier Schaltern ist im Moment einer bedient. Dort stehen vier Personen an. Vor einem zweiten Schalter steht eine Frau allein. Sie deutet uns an, dass wir uns an beiden Schaltern anstellen können. Wir wählen den bedienten Schalter. Nach einer Viertelstunde sind wir an der Reihe. Die Postbeamtin schickt uns an den anderen Schalter, welcher unterdessen auch bedient ist! Vermutlich haben wir den Geldschalter erwischt! Wieder fünf Minuten anstehen! Dann werden unsere vier Ansichtskarten für die Schweiz durch einen dritten Herrn entgegen genommen!

 

Auf dem Heimweg ruft Lina plötzlich: „Ist dies nicht dein blauer Schal, welcher dort in der kleinen Palme hängt?“ Natürlich ist es meiner! Bis jetzt habe ich den Verlust gar nicht bemerkt! Offensichtlich hat ihn ein Spaziergänger aufgelesen! Glücklicherweise sind wir den gleichen Weg zurückgegangen und Lina‘s Schutzengel hat ihr einen Stoss versetzt! (Toni)

 

 

Sa 30.03.2013: Karsamstag auf dem Skutarisee

 

Für heute ist kein Regen angesagt! Also planen wir, die Hauptstadt Montenegros, Podgorica, mit rund 140‘000 Einwohnern, zu besuchen, zuvor aber einen Zwischenhalt in Virpazar einzuschalten. Die Dame am Bahnschalter in Bar erklärt, dass wir nur Billette bis zum gewünschten ersten Aussteigen kaufen können; für die Weiterfahrt mit einer offenbar anderen Zugsnummer muss neu gelöst werden! Also fahren wir erst mal der Küste entlang zur nächsten Station, Sutomore. Bereits in den 1960er Jahren wurden hier im „Charme“ der sozialistischen Architektur die ersten Hotels eröffnet. Die meisten Gebäude hinterlassen einen heruntergekommenen Eindruck, am Strand liegt noch der ganze Winterdreck, nur wenige Restaurants sind offen.

 

So nach und nach fangen einige Bauern an, auf einem kleinen Markt ihre Erzeugnisse anzubieten: Knoblauch, Kartoffeln, Kabis, Feigen, Lauch, Zitronen, Schnäpse. An einem sagenhaften Stand (gerne hätten wir ihn fotografiert, bekamen aber kein ok!) klaubt der Besitzer aus seinem Sammelsurium ein Übergangsstück hervor, das genau zu unserem Gardena-Schlauchsystem passt! Wunder über Wunder!

 

Mit einem neuen Ticket geht die Reise weiter, weg von der Küste ins Landesinnere, durch den über 6 km langen Sozina-Tunnel nach Virpazar. Das Städtchen mit etwa 1‘000 Einwohnern an der montenegrinischen Seite des Skutarisees hatte früher eine strategisch wichtige Position gegen die Türken inne. Bei der Schneeschmelze jetzt im Frühjahr steigt jeweils der Wasserspiegel rapid an, überschwemmt grosse Gebiete und breitet sich auf etwa 500 km2 aus; im Herbst sind es immer noch circa 300 km2. Welch ein Anblick vom Zug aus, rechts und links Bäume und Sträucher, alle tief im Wasser!

 

Kaum in Virpazar ausgestiegen, packt uns der Besitzer des Hotels Pelikan in sein Auto und fährt uns zu seinem Restaurant. Sein Sohn überredet uns zu einer zweistündigen Bootsfahrt auf dem Skutarisee und stellt uns zwischendurch einen am Nebentisch sitzenden Schweizer vor: Lukas mit Hündin Boni aus Luzern, unterwegs mit seinem VW-Camper über die Berge nach Albanien. Zusammen mit einer japanischen Familie und ein paar weiteren Touristen besteigen wir das Ausflugsboot und fahren auf dem noch spiegelglatten See den „wasserständigen“, lichtgrünen Sträuchern entlang. Wer hätte dies gedacht: da fahren wir so weit ans Meer, und als erstes schippern wir auf einem Binnengewässer, so gross etwa wie der Bodensee! Dunkle Wolken ziehen auf, Böen streifen übers Wasser, einige Spritzer von Wellen, die an die Bordwand schlagen, erwischen uns! Regen bleibt glücklicherweise aus, warm angezogen ist uns allen wohl! Auf der tief im Wasser stehenden Gefängnis-Ruine Grmožur, dem montenegrinischen „Alcatraz“, leben die unterschiedlichsten Vogelarten zwischen den alten Mauern. Pelikane, Kormorane, Reiher & Co. haben an diesem See ihre Brutstätten, und er soll unglaublich fischreich sein. Dieses Naturschutzgebiet ist ein Paradies für Flora und Fauna! Wie praktisch überall in Montenegro stört auch hier leider der achtlos weggeworfene Unrat!

 

Den Plan, nach Podgorica, dem ehemaligen Titograd, zu fahren, geben wir auf. Lukas war dort und erzählt uns nichts, was uns noch hinziehen würde. Gegen Abend fährt Lukas mit uns zur Marina nach Bar zurück, wo er kurz ASANA besichtigt. Gemeinsam beschliessen wir den vielfältigen Tag bei einer feinen Pizza und tiefgründigen Gesprächen über Gott und die Welt! Danke, Lukas, für Deine Gesellschaft! Von Herzen wünschen wir Dir eine erlebnis- und erkenntnisreiche Reise! (Lina)

 

 

So. 31.03.2013: Eiertütschen bei Saša und Milan

 

Die Uhren sind auf Sommerzeit umgestellt! Durch die Dachtraufen klopft laut der Regen, für uns Grund genug, länger im warmen „Näschtli“ zu verbleiben. Ostern wird hier nur von den Katholiken wahrgenommen; die orthodoxen Christen feiern dieses Fest am erst am 5. Mai. Vermutlich ist dies der Grund, weshalb auf einzelnen Baustellen gehämmert, gebohrt und betoniert wird! Die Temperatur hier beträgt 15 Grad und langsam trocknet es ab. Ein kurzer Sparziergang ums Quartier und ein Besuch im kleinen „Super“-Market, wo sich die Angestellten diebisch über unsere zaghaften montenegrinischen Sprachversuche freuen. Dann nutzen wir die Zeit, um in aller Gemütsruhe Fotos zu bearbeiten und Berichte zu schreiben!

 

Die Überraschung des Tages: Einladung zum Eiertütschen und anschliessendem reichhaltigen Nachtessen bei Saša  und Milan mit Familienanschluss. Wir verständigen uns abwechslungsweise in Englisch, Italienisch und Montenegrinisch, mit Augen, Händen und Wörterbuch! Ein Lächeln, ein spontanes Lachen oder eine herzliche Umarmung braucht keine Übersetzung! (Lina und Toni)

 

 

Mo. 01.04.2013: Mit Mietauto der Küste entlang bis Kotor

 

Sonniger Morgen! Wir mieten einen kleinen Hyundai und fahren los! Von Bar über Sutomore nach Petrovac, einer verträumten Kleinstadt ohne hässliche hohe Neubauten. Zypressen Palmen und Pinien säumen die Uferpromenade, blühender Rosmarin duftet und fleissige Bauarbeiter reparieren schadhafte Mäuerchen. Auch hier sind viele Beizli und Geschäfte noch geschlossen. Spürbar weniger Abfall liegt herum als in Bar!

 

Das an der Strecke liegende orthodoxe Kloster Rečevići zieht uns an. Eine junge Frau führt uns durch die drei Kirchen. Sehr eindrücklich die Dreifaltigkeitskirche mit ihren Ikonen und dem 20 m hohen Glockenturm! Zwei Männer und drei Frauen bilden zur Zeit die „Belegschaft“ des recht grossen Baukomplexes!

 

Sveti Stefan,die kleine, verwunschene ehemalige Fischerinsel mit ihren verwinkelten steinernen Häusern und roten Dächern ist durch einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden und bildet ein tolles Foto-Sujet! Das ist aber auch alles für „normale“ Touris! Nach der Erneuerung der anscheinend maroden Hotels durch eine Investorengruppe aus Singapur werden sich wohl nur noch sehr gut Betuchte auf Sveti Stefan zeigen können!

 

Budva, die älteste Stadt an der montenegrinischen Küste mit gut 10‘000 Einwohnern liegt landschaftlich unerhört schön zwischen Bergen und Meer. Unmittelbar nach den Balkankriegen aber begann der Ausverkauf von Grund und Boden. Heute sind sogar die Berge überbaut und in die Stadt integriert. Uns ist hier nicht wohl! Wir lassen sogar die viel gepriesene Altstadt Stari grad sein und machen uns auf zu unserem nächsten Ziel:

 

Kotor! Die etwa 6‘000 Einwohner umfassende Stadt wurde nach dem grossen Erdbeben 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Sehr bald wird uns klar, warum! Wir betreten Kotor durch die Marska vrata, eines der drei Tore, welche durch die Stadtmauer in die autofreie Altstadt führen. Und sofort fühlen wir uns wohl! Enge Gässchen, malerische Plätze, die im Jahre 1166 auf den Grundmauern einer Rundkirche aus dem 9. Jh. errichtete Kathedrale des heiligen Trifun (wer weiss, dass es einen Heiligen dieses Namens gibt?), kleine und kleinste „Gschäftli“! Weil heute ein Kreuzfahrtenschiff angelegt hat, spazieren sogar einige Touristen deutscher Sprache durch die Gassen.

 

Die von den Venezianern im Jahre 1420 begonnene und erst 400 Jahre später fertig gestellte Stadtmauer erstreckt sich über rund 4 km und schneidet tief in einen der Berge oberhalb Kotors ein. Uns zwei ist der Aufstieg zu steil, obwohl etwa auf halber Höhe die kleine Kirche Gospe ad zdravlja winkt! Wir setzen uns gemütlich zu einem Capuccino und lassen die Umgebung auf uns wirken…

 

Wieder daheim, dürfen wir uns an einem traditionellen Bohnen-/Würstchentopf gütlich tun. Unsere liebe Ljubica liess wiederum ihre Kochkünste walten! Zum Dessert stellte sie uns einen wunderbar feuchten Beeren-Kuchen und für den morgigen Brunch ein salziges Gebäck mit Mais auf den Tisch. Liebe Ljubica, durch Dich lernen wir ein gutes Stück der echten montenegrinischen Küche kennen! Hvala! Böhnchen – Tönchen? Stellte sie wohl darum auch noch den Grappa dazu? (Lina)

 

 

Di - Fr / 02. - 05.04.2013: Regen- und Ruhetage in Bar

 

Strömender Regen! Bojana von der Marina teilen wir mit, dass wir ASANA frühestens nächste Woche einwassern wollen. Zuerst soll sich das Wetter beruhigen, sprich normalisieren! Auch für Einheimische ist die momentane Wetterlage ausserordentlich!

 

Mietauto zurückgeben, einkaufen, Mittagsschläfchen, Yogastunden, Spaziergänge und kleinere Arbeiten auf ASANA in Regenpausen, tosende Wellen am Strand beobachten, Fotos bearbeiten, Berichte und Mails schreiben, Homepage aktualisieren, weissen Rizling zum Apéro, Tomatensalat, zweite Hälfte von Ljubicas traditionellem Bohnen-/Würstchentopf mit feinen Kartoffeln und süffigen, rotem Vranac geniessen und schon sind die Tage wie im Flug vorbei!

 

Mit unserem neuen Zimmernachbarn Toni, aus Slowenien, welcher auch Segler und Motorradfahrer ist, sitzen wir gemütlich bei einem Glas Wein zusammen. Er empfiehlt uns geschützte Ankerbuchten und günstige Häfen in Kroatien.

 

Uns erreicht die Nachricht, dass mein Mami im Pflegeheim gestorben ist. Wir sind traurig und zugleich dankbar, dass wir uns vor zwei Wochen bewusst von ihr verabschieden konnten. (Toni)

 

 

Sa 06.04.2013: Mit Mietauto nach Cetinje

 

Nicht nur der unermüdliche Güggel, auch die strahlende Sonne drängt uns ins Freie! Mit „unserem gemieteten Hyundai fahren wir gemütlich über die Küstenstrasse Richtung Budva. Das heutige Ziel heisst Cetinje, die historische Hauptstadt mit rund 15‘000 Einwohnern. Nach dem Abzweiger in Budva befinden wir uns innert kürzester Zeit auf rund 1‘000 m ü.M. Serpentinenartig windet sich die meistens sehr gut ausgebaute Strasse den karstigen Bergen entlang. Berge, Berge, so weit das Auge reicht! Zwischendurch schleichen Nebelschwaden aus den Tälern! Wie’s da oben bei schlechtem Wetter aussieht, mag ich mir gar nicht vorstellen. Jetzt aber, wie ein kleines Wunder: der Frühling zeigt auch hier oben seine Kraft. Filigrane Krokusse und hiesige „Schlüsselblüemli“ recken ihre Blüten dem Licht entgegen, Bienen summen, kein sonstiges Geräusch stört die absolute Stille!

 

Der Reiseführer Montenegro von Marco Polo schreibt, Cetinje sei ein einziges Freilichtmuseum. Uns fallen als erstes die geraden Strassen und die vielen farbigen Häuser mit nur ein oder zwei Stockwerken auf. Sind wir da in Schottland gelandet?

 

Aus der Zeit der ersten Unabhängigkeit Montenegros nach dem Berliner Kongress 1878 stammen die ehemals herrschaftlichen, meist aber vernachlässigten Botschaftsgebäude der damals wichtigsten europäischen Grossmächte.

 

Im orthodoxen Kloster aus dem 15. Jh. spricht uns ein junger Mönch an und öffnet wunderschöne Kirchenräume. Fotografieren darf man hier nicht! Nur wenige Besucher und praktisch keine Touristen sind zu dieser Jahreszeit da. Im Klosterladen erstehen wir fein duftende Bienenwachskerzen. Wegen des Windes brauchen wir einige Anläufe, bis die Lichtlein für Mami, Meiri und die schwerkranke M.-Antoinette brennen!

 

Die kurvenreiche, schmale Strasse von Cetinje ins Lovčen-Gebirge präsentiert überraschende Eindrücke und Ausblicke. Toni und ich möchten auf dem zweithöchsten Berg dieses Karst-Gebirges das riesige Mausoleum eines Dichters besichtigen. Das klappt ganz und gar nicht! Immer grösser werden die Schneefelder, sogar einen Skilift erspähen wir. In Jvanova Korita auf 1‘264 m ist endgültig Schluss! Gut ein Meter Schnee versperrt die Strasse, und Einheimische raten uns schelmisch, doch bitte im Juni wiederzukommen!!!

 

Ein Bergdorf in der Schweiz vor 80 – 100 Jahren? Ich denke, so wirkt das winzige Dörfchen Bjeloši auf 864 m auf uns. Das Auffälligste ist die kleine Kirche mit drei (!) Glocken und die mit überaus farbigen künstlichen Blumen geschmückten Gräber auf dem Friedhof rings um das Kirchlein. Uns überrascht, wie viele jung Verstorbene hier begraben sind. Der Friede, welcher über dieser Gegend liegt, begleitet uns zurück nach Bar! (Lina)

 

 

So 07.04.2013: Einladung bei Ljubica

 

Welche Überraschung! Ljublica holt uns nachmittags mit ihrem Auto ab und fährt uns zu ihrem bescheidenen Heim. Dort verwöhnt sie uns mit ihren selbstgemachten, traditionellen Köstlichkeiten. Der ganze Tisch quillt über von reichgefüllten Tellern und Platten! Sohn Nikola und Tochter Aleksandra leisten uns Gesellschaft und helfen mit ihren Englischkenntnissen bei der sprachlichen Verständigung mit Ljubica. Nach diesem überwältigenden Mahl bleibt unsere Küche heute Abend unbenutzt! Hvala, Ljubica!

 

Bei einem Glas rotem Vranac verabschiedet sich der slowenische Toni von uns. Er reist morgen früh mit seinem Motorrad Richtung Albanien weiter. Gute Reise Toni! (Toni)

 

Mo - Di / 08. - 09.04.2013: Letzte Vorbereitungen

 

Die Wetterprognosen für die ganze Woche sind gut. So planen wir, am Mittwoch ASANA wieder dem Wasser zu übergeben. Am Dienstag und Mittwoch treffen wir die letzten Vorbereitungen dazu. Winterverdeck entfernen. Log montieren. Propeller spritzen und einfetten. Vorräte aufs Schiff laden. Wasserplatz bei der AD-Marina in Bar reservieren. Beim Hafenamt Abklärungen für die Navigationsbewilligungen in Montenegro treffen. Für das Kopieren der erforderlichen Dokumente müssen wir ein Kopiergeschäft suchen, weil der Fotokopierer auf dem Hafenamt seine Dienste verweigert! Auch dies gelingt!

 

Dienstag-Morgen: Zimmer kalt, kein Kaffee, Stromausfall bis nach Mittag!

 

Ljubica, unsere Zimmervermieterin, wäscht in ihrem Haus unsere Wäsche und bringt sie am Dienstag luftgetrocknet zurück. Und einmal mehr steht in der Küche ein Topf mit ihren montenegrinischen Spezialitäten! Hvala, hvala, Ljubica, wir haben uns bei dir sehr wohl gefühlt!

 

Wie am ersten Tag geniessen wir am Dienstag, dem letzten Tag in Ljubicas Haus, nochmals ein Sonnenbad auf der grossen Terrasse! Wunderschön, diese milde April-Sonne! (Toni/Lina)

 

 

Mi - Do / 10. - 11.04.2013: Hurra, ASANA schwimmt wieder!

 

Am Mittwoch fährt uns Milan zur Marina, wo wir um 9:30 Uhr eintreffen. ASANA hängt bereits am Kran im militärischen Sperrgebiet, obwohl das Auswassern auf 10:00 Uhr vereinbart war!! Ein Marineoffizier überwacht das Geschehen. Letzte Farbtupfer im Unterwasser, wo die Stützen waren, werden gemalt. Dann „fliegt“ ASANA nahezu über ein montenegrinisches Kriegsschiff und landet sanft im Wasser. In der schmalen Lücke zwischen den Kriegsschiffen manövrieren wir ASANA Richtung AD-Marina, setzen unterwegs die CH-Nationale und die montenegrinische Gastflagge und legen im zugewiesenen Platz an. Zuerst müssen wir mühsam den Winterdreck von 6 Monaten vom Deck wegfegen! Dann wird der Wassertank gefüllt sowie Kühlschrank und Boiler in Betrieb genommen. Ein vollständiger Haushalt muss wieder funktionsfähig eingerichtet werden. Todmüde genehmigen wir uns schliesslich eine Pizza im Petit Chateau und sinken genüsslich in die Kojen zur ersten Nacht in diesem Jahr an Bord von ASANA.

 

Donnerstag. Heute wartet viel Arbeit auf uns: Winterverdeck auslüften und zusammenfalten, Vorsegel anschlagen und einrollen, Wantenspannung einstellen, Windanzeige, welche in der Schweiz kontrolliert wurde und ersetztes Autopilotendisplay montieren und nach dem neuen Schaltplan verkabeln sowie die neue Autopilotensteuerung konfigurieren. Als bordeigener Elektriker atme ich auf, als die Displays der Geräte im Cockpit wieder Daten anzeigen. Dann beim Hafenamt anmelden, bei der örtlichen Bank für die Vignette einzahlen, mit der Quittung zurück zum Hafenamt, welche nun die beglaubigte Crewliste mit der Vignette für die Navigationserlaubnis in Montenegro für eine Woche aushändigt. Lina kocht erstmals in diesem Jahr an Bord. Und was für ein feines Nachessen kann ich geniessen! Für den morgigen Start sind ASANA und wir bereit. Wir hoffen, dass auch Wind und Wetter mitmachen! (Toni)

 

 

Fr 12.04.2013: Herrliche Segelfahrt von Bar nach Zelenika (Bucht von Kotor)

 

1. Fahrttag (36 sm, davon 21 sm gesegelt): Auszug aus dem Logbuch von ASANA:

 

07:30 h: Wetterprognose von Wetterwelt: SE-Wind 4 – 5, Seegang 0.7 m, heiter

09:00 h: Ablegen, auslaufen und von Bar verabschieden

09:10 h: 360 Grad-Kreis drehen zur Eichung des elektronischen Kompasses

09:15 h: Fahrt unter Motor, ASANA läuft bei 2200 U/Min. 6 Kn

11:10 h: Petrovac querab, Südwind Stärke 3, wir setzen Gross und Fock

12:00 h: Budva querab, Wind lässt nach, Seegang 2, Mit Motor weiter fahren

13:00 h: Position 42o 17.5’N 18o 42.4’E, Südwind Stärke 3 - 4, wir segeln wieder, ASANA läuft 6 – 7 Kn., herrliches Panorama mit den montenegrinischen Bergen, Bar verschwindet im Dunst

14:00 h – 14:40: Ansteuerung der Bucht von Kotor, drei Q-Wenden beim Kreuzen vor dem Wind, Bullentalje gesetzt

15:45 h: Vor Zelenika Segel bergen, Motor starten und ASANA für das Anlegemanöver bereitmachen

16:30 h: Festgemacht am Zollquai von Zelenika

 

Nach langer Diskussion mit den Grenzpolizisten, erlauben sie uns, ausnahmsweise über Nacht am Zollquai zu bleiben. Wir sind froh, dass wir für die Nacht den Hafen nicht wechseln müssen, machen Einkäufe im nahen Supermarkt und geniessen einen Kaffee im Internet-Kaffee.

 

Die Wetterprognose für morgen ist gut. So beabsichtigen wir, in Montenegro auszuklarieren (für Nichtsegler: bei Hafenamt, Grenzpolizei und Zoll abmelden) und dann Richtung Dubrovnik zu segeln (Toni)

 

 

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