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Unser Route mit ASANA im Oktober 2012 (Sarandë ALB - Bar MNE)

07.10.2012: Albanische Kuriosität: Die Navigationsbewilligung vom Hafenamt in Sarandë für die Fahrt von ASANA unter Schweizer Flagge von Sarandë nach Vlorë mit Start am 07.10.2012 um 06:00 Uhr, organisiert am Vorabend durch den Agenten Niko.

So 07.10.2012: Sonnige Fahrt von Sarandë aus entlang der imposanten, albanischen Riviera, vorbei an Palermos, über die Buchten Grama Bay und Bristany Bay nach der Marina Orikum bei Vlorë

41. Fahrttag (70 sm): 04:30 Uhr: Der Wecker klingelt unbarmherzig. Lieber würden wir weiter schlafen, die grosse Distanz nach Vlorë lässt dies aber nicht zu. Also aufstehen, Strom einschalten, Kaffee brauen, Tee kochen und langsam wach werden! Die Navigationsbewilligung der Hafenbehörde (siehe oben) hat uns Niko noch gestern Abend überreicht. So können wir bereits um 06:00 Uhr ablegen und in die aufkommende Morgendämmerung auslaufen. Auch die neuseeländische Crew verlässt Sarandë kurz nach uns mit Kurs auf Korfu. Wir verabschieden uns und werden uns vermutlich kaum wieder sehen! Typisch für Langfahrtensegler!

08:10 Uhr: Wir setzen zur Unterstützung des Motors das Gross-Segel und kurze Zeit später auch die Fock. Der Wind ist jedoch zu schwach, um den Motor abzustellen. Bei der Überquerung des 40. Breitengades bergen wir mangels Wind die die Segel wieder.

12:00 Uhr: Wir besuchen die schöne Tagesankerbucht Grama Bay.

13:45 Uhr: Wir kurven in die Bristany Bay, bei den Albanern Orsos Gjiri genannt. Auch hier fallen uns die Einmann-Bunker aus kommunistischer Zeit auf. Von diesen gibt es tausende längs der albanischen Küste. So ganz langsam zerfallen sie! Die beiden Buchten sind auf der langen Strecke zwischen Sarandë und Vlorë die einzigen Anker-Plätze, welche aber für eine Übernachtung ungeeignet sind!

15:00 Uhr: ASANA segelt von nun an geographisch im adriatischen Meer.

16:50 Uhr: Im Hafen von Vlorë stellen wir fest, dass es nur Platz gibt für eine grosse Fähre, nicht aber für kleine Segelyachten! Also rechtsumkehrt Richtung Marina Orikum, rund eine Stunde weiter südlich! Ausgerechnet jetzt setzt der Wind in Stärke 3 – 4 voll aus Süden ein und wirft innert Kürze spritzige Wellen auf! Nun sind wir dankbar um den starken Motor von ASANA, so dass wir um 18:15 Uhr, nach 70 zurückgelegten Seemeilen, kurz vor dem Eindunkeln, in der Marina Orikum, der einzigen albanischen Marina, festmachen können. Hier erledigt, im Unterschied zu den öffentlichen Häfen in Albanien, der Hafenmeister alle Formalitäten selbst.

 

Zwar können wir heute mangels Wind nicht segeln. Trotzdem ist diese Fahrt ein ausserordentliches Erlebnis. Lange Zeit sitzen wir bequem vorne auf dem Bug. Fritzli steuert durch das glatte Wasser. Schwärme fliegender Fische kreuzen unseren Kurs. Das Plätschern der Wellen um den Bug wirkt entspannend, beinahe einschläfernd. Der kühlende Wind streichelt unsere Haut. Die imposante Küste mit ihren hohen Bergen zieht gemächlich an uns vorbei. Hier hat die Natur für unsere Phantasie die schönsten Zeichnungen hinterlassen! (Toni und Lina)

Di 09.10.2012: Überfahrt von Orikum nach Durrës vorbei am den Kaps und Untiefen von Treportit, Semanit, Vjosës und Lagjit 

 

42. Fahrttag (62 sm): Der Wecker läutet wie vorgestern um halb fünf! Schlaftrunken bereiten wir ASANA vor, und nach einem ersten Kaffee sind wir um 06.00 Uhr zum Auslaufen bereit. Der Herbst ist nun auch hier im Süden eingezogen, das Thermometer zeigt gerade noch 14 Grad! Über uns strahlt der Orion vom sternenklaren Himmel!

 

Kaum aus dem Hafen, begrüsst uns eine Dünung von fast einem Meter Höhe; sie überschlägt sich am Ufer! ASANA nimmt dies bei halber Fahrt und 5.5 Knoten gelassen hin, für uns hingegen ist es wieder gewöhnungsbedürftig! Die Morgendämmerung färbt die Wolken am Himmel pink. Um 08.00 Uhr verschwindet Vlorë hinter dem Kap Treportit. Der Wind ist zu schwach, um Segel zu setzen. Die Dünung beruhigt sich nach und nach auf etwa 50 cm. Gegen 10 Uhr schaltet das Log auf 1‘700 zurückgelegte Seemeilen im Mittelmeer! Die Küste wird flach und eintönig. Eintönig brummt auch ASANAs Motor. Die Navigation ist einfach; es gilt nur auf Untiefen bei Flussdeltas zu achten. So gönne ich mir ein Schläfchen im Cockpit, während dem Lina steuert.

 

Schliesslich erreichen wir um 17.00 Uhr den Handelshafen von Durrës, den grössten Hafen Albaniens. Einen Yachthafen gibt es hier nicht. Ein Lotse weist uns zu einem Platz an der hohen, schmutzigen Quaimauer zwischen Riesenkranen, Schleppern und Frachtern. Spontan hilft uns eine Gruppe von Hafenarbeitern feim Festbinden von ASANA. Bald schon steht auch hier der Agent am Quai, um die Hafenformalitäten zu erledigen. Für diese Dienstleistung inkl. der ersten Übernachtung kassiert er sage und schreibe 60 Euro! Ohne eine minimale Infrastruktur wie Elektrisch, Wasser usw.! Linas feine Polenta lässt uns dies schnell vergessen. Müde sinken wir bereits kurz nach 21.00 Uhr in die Kojen. Auch der laute Generator des hinter uns liegenden Frachters kann uns nicht am 11- bis 12-stündigen Schlaf hindern! (Toni)

Do 11.10.2012: Herrliche Segelfahrt von Durrës nach Shengjin.

 

43. Fahrttag (38 sm): Rund ein Dutzend Hafenarbeiter rufen und winken uns beim Auslaufen um 08.20 Uhr zu! 20 Minuten später setzen wir die Segel, eine Stunde später glättet sich die See. Von hinten nähert sich uns mit beeindruckendem Tempo ein grosses Fischerboot. Wir bergen die Fock, starten den Motor und wollen schon das Weite suchen, als wir merken, dass das laute Geschrei der Fischer uns gilt, resp. vermutlich der Schweizer-Flagge. Die Männer jubeln und werfen die Arme hoch wie in einem Fussball-Match! Dann dreht das Schiff ab, und wir geniessen eine herrliche Fahrt unter Motor mit Gross-Segel-Unterstützung und Autopilot. Blauer Himmel, blaues Wasser, keine Wellen, keine Schiffe! Einfach sein!

 

Kurz nach 13.00 Uhr sichten wir die Küste von Montenegro. Wir setzen jetzt auch die Fock und segeln ganz gemütlich bei einer Windstärke von 2 bf bis vor den Hafen von Shengjin. Hier werden wir sehr herzlich empfangen durch Agent Frrok und einen Polizisten. Kaum richtig festgemacht, lädt uns Herr Frrok zu Kaffee und einem einheimischen Lissus-Bier ein und kassiert die fälligen 50 Euro für seine Dienstleistung und die Hafengebühr. Die Konversation wird in Englisch geführt, da muss ich mich schon sehr anstrengen!

 

Unser ursprünglicher Plan, morgen Freitag weiter nach Bar, unserem Ziel in Montenegro, zu fahren, gerät während der Unterhaltung beim Zusammenhöckeln arg ins Wanken. Agent Frrok teilt uns mit, dass das Hafenamt alle Fischer angewiesen habe, in den Hafen zurückzukehren, weil in der Nacht und morgen Freitag ein überaus starker Südwind zu erwarten sei. Wenn die Fischer als Profis im Hafen bleiben, sollen wir dann mit unserem 10-m-Boot Gott versuchen? Nein, wir stellen uns darauf ein, morgen die kleine Stadt Shengjin zu besichtigen, am Samstag die hohe Dünung abzuwarten und halt erst am Sonntag oder Montag, sofern Wind und Wetter stimmen, aufzubrechen.

 

Ein kleines Detail: Herr Frrok versieht seinen Dienst als Agent in Shengjin seit dem Umschwung vor 16 Jahren und stellt fest, dass ASANA die erste Segelyacht unter Schweizer Flagge ist, welche den Hafen von Shengjin in Albanien angelaufen hat! (Lina)

12.10.2012: Navigationsbewilligung vom Hafenamt in Shengjin für die Fahrt von ASANA unter Schweizer Flagge von Shengjin nach Bar in Montenegro mit Start am 12.10.2012 um 08:30 Uhr, organisiert durch den Agenten Frrok. Dies, obwohl alle Fischerboote wegen des angekündigten Südsturms in den Hafen gerufen wurden!

Fr 12.10.2012: Raues Segeln von Shengjin (Albanien) nach Bar (Montenegro), vorbei am Bojana-Delta, Ulcinj und die Leuchtfeuer Valdanos und Volujica

44. Fahrttag (35 sm): Nicht mein Schädel brummt, sondern der Generator des Zement-Frachters vor uns, dessen Bug sich bedrohlich gegen ASANA richtet. „Good Morning“, tönt es vom Agenten Frrok auf der Pier. Auf meine Frage hin sagt er, dass der starke Südwind erst auf den Nachmittag zu erwarten ist. Schnell ist mein Entscheid gefallen: wir wollen so bald wie möglich starten! Bis der starke Südwind einsetzt, sollten wir Ulcinj passiert haben und könnten uns von Wind und Wellen nach Bar tragen lassen. Der Agent murmelt nochmals etwas von unserem kleinen Schiff und dem Risiko, beschafft uns aber innert nützlicher Frist die Navigationsbewilligung vom Hafenamt.

 

Bereits um 09.00 Uhr sind wir zum Auslaufen bereit. Viel zu viele Hände helfen viel zu schnell beim Losbinden von ASANA! Um 10.00 Uhr fallen von NW her Gewitter mit Regen und Hagel über uns her. Wir ducken uns unter die Sprayhood und lassen Fritzli steuern. Kaum sehen wir noch über den Bug hinaus. Bedenken haben wir keine, denn heute hat es kaum andere kleine Schiffe oder Fischer unterwegs, und grosse würden wir über das AIS-Radar erkennen. Um 10.40 Uhr passieren wir beim Flussdelta Ada die Grenze zwischen Albanien und Montenegro. Ich hole die Gastflagge Albanien ein und setze diejenige von Montenegro sowie die gelbe Flagge „Q“ fürs Einklarieren. Das nächste Gewitter naht und bringt NW-Wind in Stärke 3 – 4. Wir setzen Segel, das Gross mit einem Reff. Blitze schlagen etwa 3 km entfernt ein. Aus Sicherheitsgründen schalten wir über kurze Zeit alle elektronischen Geräte inkl. Funkgerät aus und halten Distanz von Metalldrähten. Und wieder prasselt der Regen nieder, sodass es im Gesicht schmerzt. Unterdessen hat der Wind die Stärke 4 – 5 erreicht und wir setzen im Gross-Segel das zweite Reff. ASANA läuft ständig mit 6 bis 7 Knoten.

 

Langsam, aber stetig baut sich aus südlicher Richtung eine Dünung auf, welche schon Stunden vorher den Starkwind ankündigt. Ein Gewitter folgt dem anderen; das Gute daran ist, dass Segel und Boot gründlich gewaschen werden! Kurz öffnet sich um 12.00 Uhr die grau-weisse Wand und lässt einen Blick auf Ulcinj zu. Die Süd-Dünung hat unterdessen mindestens zwei Meter Höhe. Der Wind bläst aber aus Nordosten, was fantastisches Segeln erlaubt. Er gibt dem Schiff die Stabilität und Grundgeschwindigkeit, die Dünung bringt ASANA zum Surfen mit Spitzen bis zu 9.7 Knoten! ASANA fährt richtig Achterbahn, aber nicht nur während drei Minuten, sondern zwei Stunden lang. Das Ganze wird auch wieder einmal eine Härteprobe für ASANA, welche zum Glück erfolgreich verlaufen ist!

 

Obwohl langsam durch und durch nass, haben wir Spass an der Situation, und keine Sekunde droht einem von uns beiden Seekrankheit. Wir fühlen uns sicher! Der angekündigte, starke Südwind stellt sich dann erst gegen 22.00 Uhr ein und bleibt mit Unterbrüchen drei Tage lang bestehen. Dies bestätigt uns, dass der Entscheid, heute Morgen in Shengjin zu starten, richtig war!

 

Bereits um 14.00 Uhr erreichen wir das Leuchtfeuer Volujica und biegen in die geschützte Bucht von Bar ein. Im ruhigen Wasser des Hafens angekommen, weist uns die Sekretärin der OMC-Marina per Telefon an die 2.50 m hohe Betonmauer zwischen dem Travelift-Kanal und der Kriegsflotte von Montenegro. Von Bord- und an Bordgehen wird jedes Mal zur Kletterpartie! Zum Einklarieren haben wir hier in Montenegro drei Ämter aufzusuchen: Polizei, Zoll und Hafenamt. Alles braucht zwar einige Zeit, verläuft aber absolut problemlos. In Albanien mussten diese Formalitäten in jedem Hafen für EUR 50.00 durch den Agenten erledigt werden!

 

Die 35 Seemeilen schaffte ASANA in rund fünf Stunden, was einen Durchschnitt von 7 Knoten ergibt! Ich telefoniere dem Agenten Frrok in Shengjin und teile ihm unsere gute Ankunft mit. Er freut sich sehr über den Anruf und meint, er habe noch nie zuvor eine Rückmeldung von einem Touristenboot erhalten. Wie wenig braucht es manchmal, um jemand eine kleine Freude bereiten!

 

Uff, wir haben das Ziel dieses Jahres mit ASANA erreicht!

1491 Seemeilen von Port-Saint-Louis (F) nach Bar (MNE), 669 davon gesegelt und 822 unter Motor.

 

Gerne geben wir sie jetzt ins Winterquartier der OMC-Marina Sveti Nicola und kehren nach Hause zurück.

 

ASANA, wir kommen im nächsten Frühling wieder! (Toni)

 

 

Schon ein ganz spezieller Segeltag für mich! Anfänglich ganz ruhig, dann Blitz, Donner, Wind, Dünung, Wellen, Regen, Hagel, Regen, Regen, Regen… Und z’mitts innä, ich blicke nach achtern: ein kleiner Delphin springt einen hohen Bogen! Danke für diese Begegnung mitten in der aufgewühlten See! (Lina)

 

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